Wenn von „Speichern“ im Zusammenhang mit Photovoltaikanlagen die Rede ist, sind damit häufig Akkumulatoren gemeint – also wiederaufladbare Batterien, die elektrischen Strom chemisch speichern. Der Begriff „Speicher“ ist jedoch umfassender und schließt auch andere Technologien wie thermische, mechanische oder chemische Energiespeicher ein. So lassen sich Lösungen für den privaten Hausgebrauch genauso wie für Gewerbe, Industrie und die Energiewirtschaft beschreiben.
Welche Speicherarten unterstützen die Integration von erneuerbaren Energien?
Speicher spielen eine zentrale Rolle für die Energiewende. Sie helfen, selbst erzeugten Strom effizient zu nutzen, Lastspitzen abzufedern und die Netzstabilität zu sichern. Je nach Anwendungsbereich unterscheiden sich Technologien und Marktbild deutlich.
1. Speicher für den Hausgebrauch
Im Privatbereich dienen Speicher vor allem dazu, den Eigenverbrauch zu maximieren, die Stromrechnung zu senken und die Abhängigkeit vom öffentlichen Netz zu reduzieren. Die wichtigsten Speicherarten sind:
- Marktanteil (neu installierte Heimspeicher, grob): ≈ 95–99 %
- Vorteile: hohe Energiedichte, lange Lebensdauer, geringes Gewicht
- Nachteile: höhere Anschaffungskosten, temperaturempfindlich
- Marktanteil: < 5 %
- Vorteile: kostengünstig, bewährte Technik
- Nachteile: geringere Lebensdauer/Zyklenfestigkeit, höherer Platzbedarf
- Marktanteil: ≪ 1 %
- Vorteile: ungiftig, recyclingfreundlich, tiefe Entladung möglich
- Nachteile: geringere Energiedichte, teils höhere Kosten
Thermische Speicher (Wasserspeicher)
- Marktanteil: keine einheitliche Quote, da es sich nicht um Strom‑, sondern Wärmespeicher handelt (häufig für Warmwasser/Heizung in PV-Haushalten eingesetzt)
- Vorteile: effizient für Wärme, einfach
- Nachteile: keine direkte Stromspeicherung
- Marktanteil: noch vernachlässigbar, erste Modelle/Tests für den Hausgebrauch
- Vorteile: potenziell langlebig, nicht brennbar
- Nachteile: Technik im Heimbereich noch in der Entwicklung
Diese Lösungen eignen sich für kleine bis mittelgroße PV-Anlagen und bieten Hausbesitzern flexible Wege, den eigenen Solarstrom optimal zu nutzen.
2. Speicher für Gewerbe, Industrie und die Energiewirtschaft
Für größere Anlagen sind Speicher nötig, um größere Energiemengen zu managen, Netzdienstleistungen zu erbringen und die Integration erneuerbarer Energien zu optimieren.
Containerisierte Großbatterien (BESS in Containerbauweise)
- Heute Standard bei Solar- und Windparks sowie in Netzknoten; meist Lithium-Ionen (vor allem LFP), skaliert in 20–40-Fuß-Containern im MW/MWh-Bereich
- Einsatz: Peak-Shaving, Frequenzhaltung, Vermarktung am Strommarkt, Engpassmanagement
- Hinweis zum Marktbild: Der neue Zubau großskaliger Speicher in Europa wächst stark und gewinnt gegenüber Heimspeichern an Anteil
- Vorteile: sehr lange Lebensdauer, getrennte Skalierung von Leistung und Kapazität
- Nachteile: höherer Platzbedarf, komplexere Technik
Pumpspeicherkraftwerk (Wasserspeicher)
- Vorteile: sehr große Kapazitäten, bewährte Technik
- Nachteile: Standortabhängigkeit, hohe Investitionen
- Vorteile: große Energiemengen möglich, Langzeitspeicherung
- Nachteile: Wirkungsgrad geringer, geologische und technische Anforderungen
Wasserstoffspeicher (Power-to-Gas)
- Vorteile: sehr große und zeitlich lange Speicherung, Sektorkopplung
- Nachteile: niedriger Gesamtnutzungsgrad, teure Umwandlung
- Vorteile: extrem schnelle Lade- und Entladevorgänge, sehr hohe Zyklenzahlen
- Nachteile: geringe Energiedichte, keine Langzeitspeicherung
Kurz gesagt: Im privaten Bereich dominieren Lithium-Heimspeicher klar. Im großen Maßstab prägen heute containerisierte Lithium-BESS den Ausbau, während Flow‑, Wasserstoff‑, Druckluft- und Pumpspeicher je nach Anforderung ergänzen.
3. Batteriespeichersystem
Ein Batteriespeichersystem (oft kurz BSS genannt) bezeichnet eine komplette Einheit zur Speicherung und Abgabe elektrischer Energie mithilfe von Batterien. Es geht dabei nicht nur um die Batterie selbst, sondern um das gesamte System mit allen Komponenten, die für den sicheren und effizienten Betrieb notwendig sind.
Warum ist es wichtig, die passende Speicherart auszuwählen?
Die Wahl der richtigen Speichertechnologie hängt stark von den spezifischen Anforderungen und der Größe der Anwendung ab. Für den privaten Haushalt eignen sich kleinere, flexiblere Speicherlösungen wie Lithium-Ionen-Batterien, die auch die Nutzung von Solarstrom optimieren können. Industrielle Anwendungen hingegen erfordern oft größere, robustere Systeme, die eine langfristige und effiziente Energieversorgung gewährleisten. Die Entwicklung und Verbreitung effizienter Speicherlösungen sind daher von entscheidender Bedeutung, um die Energiewende voranzutreiben und die Nutzung erneuerbarer Energien langfristig zu maximieren.
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