Ein Flugzeug hebt ab und trotzdem bleibt es erstaunlich leise. Am Flughafen Paderborn/Lippstadt konnten Piloten, Fluglehrer und Vertreter aus Politik und Luftfahrt Anfang September erleben, wie sich elektrisches Fliegen heute schon anfühlt. Im Mittelpunkt stand die Pipistrel Velis Electro, ein zweisitziges, rein elektrisch angetriebenes Flugzeug. Nordrhein-Westfalen bringt solche Elektroflieger derzeit gezielt an die Flugplätze des Landes. Damit soll die neue Technik bekannter werden und vor allem dort Einzug halten, wo sie schon heute sinnvoll eingesetzt werden kann: beispielsweise in der Pilotenausbildung.
Rund eine Stunde Flugzeit und erstaunlich wenig Lärm
Die Velis Electro stammt vom slowenischen Flugzeughersteller Pipistrel und war das weltweit erste Elektroflugzeug mit einer Musterzulassung der europäischen Luftfahrtbehörde EASA. Angetrieben wird der kleine Zweisitzer von einem Elektromotor mit maximal 57,6 kW Leistung.
Für Langstrecken ist das Flugzeug nicht gedacht. Seine Stärke liegt bei kurzen Flügen und insbesondere in der Ausbildung. Der Hersteller nennt eine typische Flugdauer von etwa 50 Minuten zuzüglich der vorgeschriebenen Reserve. Das reicht für viele Trainingsflüge aus.
Besonders beeindruckend ist die geringe Geräuschentwicklung. Pipistrel gibt für die Velis Electro lediglich rund 60 dB(A) an. Das verändert nicht nur das Erlebnis im Cockpit, sondern könnte vor allem für die Umgebung von Flugplätzen interessant werden. Gerade Schulungsflugzeuge starten und landen häufig und tragen dadurch erheblich zur wahrgenommenen Lärmbelastung bei. Ein deutlich leiserer Elektroantrieb könnte hier einen spürbaren Unterschied machen.
Während des Fluges entstehen zudem keine direkten Abgase. Wie klimafreundlich der Betrieb insgesamt ist, hängt natürlich auch davon ab, wie der Strom zum Laden der Batterien erzeugt wird.
Nordrhein-Westfalen bringt Elektroflieger zu den Flugplätzen
Der Besuch in Paderborn/Lippstadt ist Teil einer größeren Initiative. Das Land Nordrhein-Westfalen will die elektrische Luftfahrt praktisch erlebbar machen und Flugplätze, Piloten und Flugschulen frühzeitig mit der neuen Technik vertraut machen. Dazu wurden bereits zahlreiche Flugplätze in Nordrhein-Westfalen mit dem Elektroflugzeug besucht.
Dabei geht es nicht darum, morgen große Passagiermaschinen durch batteriebetriebene Flugzeuge zu ersetzen. Die Velis Electro zeigt vielmehr, dass es Anwendungen gibt, bei denen elektrisches Fliegen bereits heute möglich ist.
Besonders interessant ist die Pilotenausbildung. Die Velis Electro ist ausdrücklich dafür zugelassen und wird vom Hersteller genau für diesen Einsatz konzipiert. In mehr als 30 Ländern ist sie für entsprechende Trainingsflüge zugelassen.
Am Flughafen Paderborn/Lippstadt gibt es eine solche reguläre Ausbildung mit dem Elektroflugzeug derzeit noch nicht. Der aktuelle Besuch zeigt aber, wohin die Reise gehen könnte. Der Airport beschäftigt sich im Rahmen seines „Innovationsflughafen PAD“ ohnehin intensiv mit neuen Technologien und der Dekarbonisierung des Luftverkehrs. Dazu gehören beispielsweise Photovoltaik, elektrische Bodenfahrzeuge und weitere Projekte rund um eine nachhaltigere Luftfahrt.
Fazit aus der Sicht von PV-Navi
Die Velis Electro wird keinen Airbus ersetzen und mit rund einer Stunde möglicher Flugzeit auch keine Urlauber nach Mallorca bringen. Das muss sie aber auch gar nicht. Doch elektrische und klimafreundlichere Luftfahrt ist längst mehr als Zukunftsmusik.
Wir haben bei PV-Navi schon mehrfach darüber berichtet, wie unterschiedlich die Wege dorthin aussehen können. In Jülich wurde eine Pilotanlage aufgebaut, die mithilfe von Sonnenenergie synthetischen Flugtreibstoff aus Wasser und CO₂ herstellt. In Dänemark absolvierte bereits ein vollelektrisches Flugzeug einen Inlandsflug zwischen Sønderborg und Kopenhagen. Gleichzeitig wird an immer leichteren und leistungsfähigeren Elektromotoren für die Luftfahrt gearbeitet.
Jetzt kommt mit der Pipistrel Velis Electro ein weiterer Baustein hinzu: ein kleines Elektroflugzeug, das bereits zugelassen ist und sich besonders für kurze Flüge und die Pilotenausbildung eignet.
Die Energiewende in der Luftfahrt wird wahrscheinlich nicht mit der einen Lösung gelingen. Solar erzeugte Kraftstoffe können für größere und weiter fliegende Maschinen eine Rolle spielen, batterieelektrische Antriebe zunächst dort, wo Reichweite und Gewicht weniger entscheidend sind. Gleichzeitig entwickeln sich Batterien, Motoren und Ladeinfrastruktur weiter.
Wenn man all diese Entwicklungen nebeneinander betrachtet, sieht die Zukunft plötzlich gar nicht mehr so weit entfernt aus. Vielleicht beginnt das Fliegen von morgen gerade an vielen kleinen Stellen gleichzeitig.
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Quellen: Paderborn-Lippstadt Airport und Pipistrel
Paderborn-Lippstadt Airport – „Elektrofliegerei kann kommen“
Zum Foto
Elektrofliegerei im Fokus: Roland Hüser (Geschäftsführer, Flughafen Paderborn/Lippstadt), Peter Müller (Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr in NRW), Ina Preuß (Referatsleiterin, Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr in NRW), Dr. Franz-Wilhelm Ferber und Dieter Lipsewers (beide Luftsportverein Paderborner Land e.V.) sowie Michael Gross (FMG-FlightTraining) tauschten sich am Flughafen Paderborn/Lippstadt über die Zukunft der elektrischen Luftfahrt aus. Ein praktischer Einblick gehörte dazu: die Besichtigung des zweisitzigen Elektroflugzeugs Pipistrel Velis Electro.
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