Europa will leichtere Solarmodule stärker selbst produzieren

Datum: 9. Oktober 2026
Partner des europäischen RECLAIM-PV-Projekts beim gemeinsamen Kick-off-Treffen im spanischen San Sebastián.

Euro­pa baut Pho­to­vol­ta­ik in gro­ßem Tem­po aus – doch ein gro­ßer Teil der dafür benö­tig­ten Solar­mo­du­le kommt wei­ter­hin aus dem Aus­land. Das euro­päi­sche For­schungs­pro­jekt RECLAIM-PV will dar­an etwas ändern. Im Mit­tel­punkt steht eine neue Gene­ra­ti­on leich­ter Pho­to­vol­ta­ik­mo­du­le, bei denen Solar­zel­len nicht wie üblich zwi­schen schwe­ren Glas­schei­ben ein­ge­bet­tet wer­den. Statt­des­sen kommt die in Euro­pa ent­wi­ckel­te Solar­face-Tech­no­lo­gie mit leich­ten Ver­bund­werk­stof­fen zum Ein­satz. Das soll neue Anwen­dun­gen ermög­li­chen und gleich­zei­tig dazu bei­tra­gen, wie­der mehr Pho­to­vol­ta­ik­tech­nik in Euro­pa zu pro­du­zie­ren.

 

Solarmodule müssen nicht immer aus Glas bestehen

Die Solar­face-Tech­no­lo­gie wur­de von TECNALIA und BRANKA ent­wi­ckelt und wird inzwi­schen von IZPITEK her­ge­stellt und ver­mark­tet. Solar­zel­len wer­den dabei in einen leich­ten Ver­bund­werk­stoff ein­ge­bet­tet. Das kann ins­be­son­de­re dort inter­es­sant sein, wo Gewicht eine wich­ti­ge Rol­le spielt.

Denk­bar sind bei­spiels­wei­se Dächer mit begrenz­ten Trag­re­ser­ven, Bal­ko­ne, Gebäu­de­fas­sa­den oder die Inte­gra­ti­on von Pho­to­vol­ta­ik in Fahr­zeu­ge. Auch Anwen­dun­gen in Indus­trie und Land­wirt­schaft gehö­ren zu den Berei­chen, die im Pro­jekt unter­sucht wer­den sol­len.

RECLAIM-PV soll die Tech­no­lo­gie nun einen ent­schei­den­den Schritt wei­ter­brin­gen: Weg von ein­zel­nen Ent­wick­lun­gen und Demons­tra­to­ren hin zu einer grö­ße­ren indus­tri­el­len Fer­ti­gung.

 

Mehr Photovoltaikproduktion aus Europa

Hin­ter dem Pro­jekt steckt des­halb mehr als die Ent­wick­lung eines neu­en Solar­mo­duls. Euro­pa möch­te bei wich­ti­gen Tech­no­lo­gien für die Ener­gie­wen­de unab­hän­gi­ger von Impor­ten wer­den.

Nach Anga­ben des Pro­jekts deckt die euro­päi­sche Pro­duk­ti­on von Pho­to­vol­ta­ik­mo­du­len der­zeit ledig­lich rund 15 Pro­zent des eige­nen Bedarfs. Gleich­zei­tig stam­men weni­ger als zwei Pro­zent der welt­wei­ten Modul­pro­duk­ti­on aus Euro­pa.

RECLAIM-PV soll dazu bei­tra­gen, die Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten für leich­te Solar­mo­du­le inner­halb Euro­pas zu erhö­hen. Dafür wer­den unter ande­rem Fer­ti­gungs­pro­zes­se opti­miert, neue Ver­bin­dungs­tech­ni­ken ent­wi­ckelt und spe­zi­ell ange­pass­te Pro­duk­ti­ons­an­la­gen erprobt. Sogar gene­ra­ti­ve künst­li­che Intel­li­genz soll ein­ge­setzt wer­den, um Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se wei­ter zu ver­bes­sern.

 

Von Gebäuden bis zum Elektroauto

Beson­ders inter­es­sant ist die Viel­falt der geplan­ten Anwen­dun­gen. Die neu­en Leicht­bau­mo­du­le sol­len nicht nur auf Dächer mon­tiert wer­den kön­nen. Das Pro­jekt beschäf­tigt sich auch mit gebäu­de­inte­grier­ter Pho­to­vol­ta­ik und mit Modu­len, die direkt in Fahr­zeu­ge inte­griert wer­den.

Damit könn­te Pho­to­vol­ta­ik zuneh­mend Bestand­teil von Pro­duk­ten und Gebäu­den selbst wer­den: Nicht erst nach­träg­lich auf­ge­setzt, son­dern bereits bei deren Kon­struk­ti­on mit­ge­dacht.

Das von Hori­zon Euro­pe geför­der­te For­schungs- und Inno­va­ti­ons­pro­jekt läuft von Juni 2026 bis Mai 2030. Betei­ligt sind Unter­neh­men und For­schungs­ein­rich­tun­gen aus meh­re­ren euro­päi­schen Län­dern, dar­un­ter auch das deut­sche Unter­neh­men OSNATECH Solar.

 

Fazit aus der Sicht von PV-Navi

Euro­pa braucht für den wei­te­ren Aus­bau der Pho­to­vol­ta­ik nicht nur mög­lichst vie­le Solar­mo­du­le. Inter­es­sant sind auch Modu­le, die leich­ter wer­den, sich ein­fa­cher inte­grie­ren las­sen und dadurch Flä­chen erschlie­ßen, die für klas­si­sche Glas­mo­du­le bis­her nur ein­ge­schränkt geeig­net sind.

RECLAIM-PV ver­bin­det des­halb gleich meh­re­re span­nen­de Ansät­ze: Neue Anwen­dun­gen für Pho­to­vol­ta­ik, euro­päi­sche Pro­duk­ti­on und eine stär­ker auf Nach­hal­tig­keit und Kreis­lauf­wirt­schaft aus­ge­rich­te­te Tech­no­lo­gie.

Ob dar­aus am Ende eine wirt­schaft­lich kon­kur­renz­fä­hi­ge euro­päi­sche Seri­en­pro­duk­ti­on ent­steht, muss das Pro­jekt erst noch zei­gen. Aber genau dafür sind sol­che For­schungs­pro­jek­te da: Aus einer inter­es­san­ten Tech­no­lo­gie ein Pro­dukt zu machen, das spä­ter tat­säch­lich auf Dächern, Fas­sa­den, Fahr­zeu­gen und ande­ren bis­lang kaum genutz­ten Flä­chen Strom erzeu­gen kann.

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Quel­len

Euro­päi­sche Kom­mis­si­on / CORDIS: RECLAIM-PV – REs­ho­ring of Com­po­si­te-based Light­weight Advan­ced Inte­gra­ted Modu­le manu­fac­tu­ring for PV
Pro­jekt­sei­te der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on

PIZ: „PIZ Joins the New Pro­ject RECLAIM-PV“
Infor­ma­ti­on eines RECLA­IM-PV-Pro­jekt­part­ners

Son­nen­sei­te: „Der Start­schuss für das Pro­jekt Recla­im-PV“

Foto: © RECLAIMPV | Kick-off-Tref­fen des Pro­jekt­kon­sor­ti­ums in San Sebas­tián

 

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