Elektroautos stehen einen großen Teil des Tages ungenutzt herum. In Utrecht wird genau diese Zeit zunehmend für die Energiewende genutzt. Hunderte elektrische Carsharing-Autos können dort nicht nur Strom laden, sondern ihn bei Bedarf auch wieder ins öffentliche Netz zurückspeisen. Das Prinzip nennt sich Vehicle-to-Grid, kurz V2G. Besonders interessant wird es in Verbindung mit Solar- und Windenergie: Gibt es viel erneuerbaren Strom, werden die Fahrzeugbatterien geladen. Steigt später der Strombedarf, können sie einen Teil dieser Energie wieder abgeben. Aus parkenden Autos werden damit zeitweise mobile Stromspeicher.
Das Elektroauto kann mehr als nur fahren
Bei einem gewöhnlichen Elektroauto fließt der Strom in eine Richtung: vom Stromnetz in die Batterie. Beim bidirektionalen Laden funktioniert das auch umgekehrt. Das Auto kann gespeicherte Energie über eine entsprechend ausgerüstete Ladesäule wieder ins Netz zurückgeben.
Utrecht sammelt damit bereits seit Jahren Erfahrungen. Einen entscheidenden Schritt machte die Stadt 2025 mit dem Projekt „Utrecht Energized“. Renault, MyWheels, We Drive Solar und die Stadt starteten einen groß angelegten V2G-Carsharing-Dienst. Zunächst gingen 50 Renault 5 E‑Tech samt bidirektionaler Ladeinfrastruktur in Betrieb. Vorgesehen wurde eine Flotte von insgesamt bis zu 500 entsprechend ausgerüsteten Elektroautos.
Inzwischen spricht der niederländische Netzbetreiber Stedin von Hunderten bidirektionalen Carsharing-Fahrzeugen, die in Utrecht Strom aufnehmen und wieder zurückspeisen können.
Solarstrom parkt einfach im Auto
Das Konzept passt besonders gut zu einer Stadt mit viel Photovoltaik. Nach Angaben der Projektpartner sind bereits rund 35 Prozent der Dächer in Utrecht mit Solarmodulen ausgestattet. Scheint mittags die Sonne und wird mehr Strom erzeugt als gerade benötigt, können die Batterien der verfügbaren Carsharing-Fahrzeuge geladen werden. Am Abend, wenn die Sonne verschwunden und der Stromverbrauch höher ist, kann ein Teil dieser Energie wieder zurück ins Netz fließen.
Dabei hat Carsharing einen interessanten Vorteil: Durch die Reservierungen ist bekannt, wann ein Fahrzeug wieder gebraucht wird. Laden und Entladen lassen sich deshalb so steuern, dass das Auto für die nächste Fahrt ausreichend geladen ist. Das Fahrzeug erfüllt damit zwei Aufgaben: Wenn jemand fahren möchte, sorgt es für Mobilität. Wenn es herumsteht, kann seine Batterie dem Energiesystem zur Verfügung stehen.
Jetzt sollen die Autos sogar gezielt das Stromnetz entlasten
Im Juni 2026 folgte der nächste wichtige Schritt. Netzbetreiber Stedin und LomboXnet vereinbarten, die Flexibilität der bidirektionalen Ladepunkte gezielt zur Entlastung des Utrechter Stromnetzes einzusetzen. Das ist deshalb interessant, weil Utrecht wie zahlreiche andere Regionen der Niederlande mit Engpässen im Stromnetz kämpft. Gerade zu Zeiten hoher Einspeisung oder hohen Verbrauchs stößt das Netz an Grenzen. Die Elektroautos ersetzen deshalb natürlich keinen notwendigen Netzausbau. Sie können aber dabei helfen, vorhandene Netzkapazitäten intelligenter zu nutzen und Verbrauch und Stromerzeugung zeitlich besser aufeinander abzustimmen.
Vom Auto zum Teil des Energiesystems
Genau diese Entwicklung macht Utrecht so spannend. Elektromobilität, Carsharing, Photovoltaik und Stromspeicherung werden hier nicht getrennt betrachtet. Ein Elektroauto benötigt ohnehin eine große Batterie. Wenn diese Batterie viele Stunden am Tag ungenutzt herumsteht, liegt der Gedanke nahe, einen Teil dieser Speicherkapazität auch für das Energiesystem zu verwenden. Wie das in Utrecht bereits funktioniert, zeigt übrigens auch das ARD-Europamagazin in einem rund sechsminütigen Beitrag vom März 2026 mit dem treffenden Titel „Utrecht lädt die Zukunft: Neue Energiespeicher revolutionieren die Stadt“.
Fazit aus der Sicht von PV-Navi
Ein einziges vollgeladenes Auto kann rechnerisch bereits eine Größenordnung von rund zwei Dutzend Haushalten eine Stunde lang mit Strom versorgen. Stehen in einer Straße mehrere bidirektional angeschlossene Fahrzeuge, wird daraus schnell ein beachtlicher lokaler Speicher. Genau darin liegt der Charme der Idee aus Utrecht: Der Stromspeicher der Zukunft muss nicht immer als großer Batteriecontainer irgendwo am Stadtrand stehen. Vielleicht parkt ein Teil davon längst direkt vor unserer Haustür.
Utrecht zeigt, wie daraus ein gemeinsames System entstehen kann: Solarstrom vom Dach, gespeichert im Auto – und zurück ins Netz, wenn er dort gebraucht wird.
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Quellen:
Stedin – Elektroautos als mobile Batterien in Utrecht
We Drive Solar – Utrecht Energized und das V2G-Carsharing-Projekt
Filmbeitrag:
ARD Europamagazin – „Utrecht lädt die Zukunft: Neue Energiespeicher revolutionieren die Stadt“
Bild: We Drive Solar
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Weitere Informationen und Neuigkeiten finden Sie auch in unserem PV-Navi-ABC unter Speicher für Photovoltaikanlagen
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