Solarkraftwerk auf der Autobahn: 2,6 Megawatt auf einem Lärmschutztunnel

Datum: 4. Oktober 2026
Photovoltaikanlage auf dem 1,3 Kilometer langen Gwanggyo-Lärmschutztunnel am Yeongdong Expressway in Südkorea.

Vor eini­gen Wochen haben wir bei PV-Navi bereits über einen Pho­to­vol­ta­ik-Lärm­schutz­tun­nel in Süd­ko­rea berich­tet. War­um also noch ein­mal ein ganz ähn­li­ches The­ma? Weil die­ses Pro­jekt einen ande­ren Gedan­ken beson­ders ein­drucks­voll sicht­bar macht. Am Gwang­gyo-Abschnitt des Yeong­dong Express­way wur­de ein bereits vor­han­de­ner, rund 1,3 Kilo­me­ter lan­ger Lärm­schutz­tun­nel zusätz­lich zum Stand­ort für eine gro­ße Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge. Auf sei­ner Ober­sei­te ent­stan­den 2,6 MW Solar­leis­tung. Statt für das Solar­kraft­werk eine neue Flä­che zu bean­spru­chen, wur­de ein­fach eine tech­ni­sche Infra­struk­tur genutzt, die ohne­hin vor­han­den war. Genau des­halb lohnt sich ein zwei­ter Blick nach Süd­ko­rea.

 

Ein Lärmschutztunnel bekommt einen zweiten Job

Die Anla­ge wur­de von der Korea Express­way Cor­po­ra­ti­on rea­li­siert und ging Anfang 2018 in Betrieb. Auf dem lang­ge­zo­ge­nen Lärm­schutz­tun­nel wur­den Pho­to­vol­ta­ik­mo­du­le mit ins­ge­samt 2,6 MW Leis­tung instal­liert. Die erwar­te­te Strom­pro­duk­ti­on lag bei rund 3,5 Mil­lio­nen kWh pro Jahr. Das ent­sprach nach dama­li­gen Anga­ben unge­fähr dem Jah­res­strom­be­darf von 1.000 Haus­hal­ten.

Der eigent­li­che Clou liegt jedoch unter den Modu­len. Der Tun­nel war bereits da und erfüllt wei­ter­hin sei­ne Auf­ga­be als Lärm­schutz ent­lang der Auto­bahn. Sei­ne gro­ße Ober­flä­che bekam durch die Pho­to­vol­ta­ik ledig­lich eine zusätz­li­che Funk­ti­on.

Die Korea Express­way Cor­po­ra­ti­on ver­wies damals dar­auf, dass eine ver­gleich­ba­re Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge auf frei­er Flä­che etwa 34.000 Qua­drat­me­ter Grund­stück benö­tigt hät­te. Beim Gwang­gyo-Pro­jekt konn­te auf die­sen zusätz­li­chen Flä­chen­be­darf weit­ge­hend ver­zich­tet wer­den, weil eine bestehen­de Ver­kehrs­an­la­ge zum Trä­ger des Solar­kraft­werks wur­de.

 

Vielleicht haben wir längst mehr Solarflächen als wir denken

Genau des­halb ist die­ses Pro­jekt auch Jah­re nach sei­ner Inbe­trieb­nah­me noch inter­es­sant. Bei der Dis­kus­si­on über den wei­te­ren Pho­to­vol­ta­ik­aus­bau ent­steht schnell der Ein­druck, dass immer neue Flä­chen gefun­den wer­den müss­ten.

Dabei haben wir längst rie­si­ge tech­ni­sche Flä­chen geschaf­fen: Auto­bah­nen, Lärm­schutz­an­la­gen, Park­plät­ze, Indus­trie­ge­bäu­de, Hal­len, Bahn­an­la­gen und vie­le wei­te­re Bau­wer­ke. Natür­lich eig­net sich nicht jede Flä­che für Pho­to­vol­ta­ik. Doch das Bei­spiel aus Süd­ko­rea zeigt, wie groß das Poten­zi­al sein kann, wenn bei bestehen­der Infra­struk­tur sys­te­ma­tisch nach einer zwei­ten Nut­zung gesucht wird.

Und genau dar­in unter­schei­det sich die­ses Pro­jekt von unse­rem ers­ten korea­ni­schen Bei­spiel. Dort war die Pho­to­vol­ta­ik unmit­tel­bar Teil einer beson­de­ren Lärm­schutz­kon­struk­ti­on. In Gwang­gyo zeigt sich dage­gen beson­ders anschau­lich, wie eine ohne­hin vor­han­de­ne Infra­struk­tur nach­träg­lich zur Solar­flä­che wer­den kann.

 

Fazit aus der Sicht von PV-Navi

Zwei korea­ni­sche Solar­tun­nel inner­halb weni­ger Wochen bei PV-Navi? Ja, ganz bewusst. Denn manch­mal braucht es meh­re­re Bei­spie­le, bis aus einer unge­wöhn­li­chen Idee eine nahe­lie­gen­de Lösung wird. Der Gwang­gyo-Tun­nel zeigt mit sei­nen 2,6 MW beson­ders ein­drucks­voll, wel­che Dimen­sio­nen mög­lich sind. Die Auto­bahn braucht den Lärm­schutz ohne­hin. Die Flä­che dar­über ist eben­falls vor­han­den. War­um soll­te sie dann nicht zusätz­lich Strom pro­du­zie­ren? Für die Ener­gie­wen­de müs­sen wir nicht jede Flä­che neu erfin­den. Wir müs­sen viel häu­fi­ger erken­nen, wel­chen zwei­ten Job vor­han­de­ne Flä­chen über­neh­men kön­nen.

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Quel­le: Yon­hap News Agen­cy, unter Beru­fung auf die Korea Express­way Cor­po­ra­ti­on, Dezem­ber 2017

Yon­hap – Bericht zum 2,6‑MW-Solarprojekt auf dem Gwang­gyo-Lärm­schutz­tun­nel

Als ergän­zen­de Quel­le zu Flä­chen­be­darf und Pro­jekt­de­tails wür­de ich die­se korea­ni­sche Ver­öf­fent­li­chung neh­men:

DNEWS – Bericht zum Gwang­gyo-Solar­pro­jekt

Bild­quel­le: Korea Express­way Cor­po­ra­ti­on

 

Sie­he auch unse­re NEWS vom 14. Sep­tem­ber 2026:
Solar­tun­nel in Seo­ul: Pho­to­vol­ta­ik schützt vor Ver­kehrs­lärm

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