Vor einigen Wochen haben wir bei PV-Navi bereits über einen Photovoltaik-Lärmschutztunnel in Südkorea berichtet. Warum also noch einmal ein ganz ähnliches Thema? Weil dieses Projekt einen anderen Gedanken besonders eindrucksvoll sichtbar macht. Am Gwanggyo-Abschnitt des Yeongdong Expressway wurde ein bereits vorhandener, rund 1,3 Kilometer langer Lärmschutztunnel zusätzlich zum Standort für eine große Photovoltaikanlage. Auf seiner Oberseite entstanden 2,6 MW Solarleistung. Statt für das Solarkraftwerk eine neue Fläche zu beanspruchen, wurde einfach eine technische Infrastruktur genutzt, die ohnehin vorhanden war. Genau deshalb lohnt sich ein zweiter Blick nach Südkorea.
Ein Lärmschutztunnel bekommt einen zweiten Job
Die Anlage wurde von der Korea Expressway Corporation realisiert und ging Anfang 2018 in Betrieb. Auf dem langgezogenen Lärmschutztunnel wurden Photovoltaikmodule mit insgesamt 2,6 MW Leistung installiert. Die erwartete Stromproduktion lag bei rund 3,5 Millionen kWh pro Jahr. Das entsprach nach damaligen Angaben ungefähr dem Jahresstrombedarf von 1.000 Haushalten.
Der eigentliche Clou liegt jedoch unter den Modulen. Der Tunnel war bereits da und erfüllt weiterhin seine Aufgabe als Lärmschutz entlang der Autobahn. Seine große Oberfläche bekam durch die Photovoltaik lediglich eine zusätzliche Funktion.
Die Korea Expressway Corporation verwies damals darauf, dass eine vergleichbare Photovoltaikanlage auf freier Fläche etwa 34.000 Quadratmeter Grundstück benötigt hätte. Beim Gwanggyo-Projekt konnte auf diesen zusätzlichen Flächenbedarf weitgehend verzichtet werden, weil eine bestehende Verkehrsanlage zum Träger des Solarkraftwerks wurde.
Vielleicht haben wir längst mehr Solarflächen als wir denken
Genau deshalb ist dieses Projekt auch Jahre nach seiner Inbetriebnahme noch interessant. Bei der Diskussion über den weiteren Photovoltaikausbau entsteht schnell der Eindruck, dass immer neue Flächen gefunden werden müssten.
Dabei haben wir längst riesige technische Flächen geschaffen: Autobahnen, Lärmschutzanlagen, Parkplätze, Industriegebäude, Hallen, Bahnanlagen und viele weitere Bauwerke. Natürlich eignet sich nicht jede Fläche für Photovoltaik. Doch das Beispiel aus Südkorea zeigt, wie groß das Potenzial sein kann, wenn bei bestehender Infrastruktur systematisch nach einer zweiten Nutzung gesucht wird.
Und genau darin unterscheidet sich dieses Projekt von unserem ersten koreanischen Beispiel. Dort war die Photovoltaik unmittelbar Teil einer besonderen Lärmschutzkonstruktion. In Gwanggyo zeigt sich dagegen besonders anschaulich, wie eine ohnehin vorhandene Infrastruktur nachträglich zur Solarfläche werden kann.
Fazit aus der Sicht von PV-Navi
Zwei koreanische Solartunnel innerhalb weniger Wochen bei PV-Navi? Ja, ganz bewusst. Denn manchmal braucht es mehrere Beispiele, bis aus einer ungewöhnlichen Idee eine naheliegende Lösung wird. Der Gwanggyo-Tunnel zeigt mit seinen 2,6 MW besonders eindrucksvoll, welche Dimensionen möglich sind. Die Autobahn braucht den Lärmschutz ohnehin. Die Fläche darüber ist ebenfalls vorhanden. Warum sollte sie dann nicht zusätzlich Strom produzieren? Für die Energiewende müssen wir nicht jede Fläche neu erfinden. Wir müssen viel häufiger erkennen, welchen zweiten Job vorhandene Flächen übernehmen können.
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Quelle: Yonhap News Agency, unter Berufung auf die Korea Expressway Corporation, Dezember 2017
Yonhap – Bericht zum 2,6‑MW-Solarprojekt auf dem Gwanggyo-Lärmschutztunnel
Als ergänzende Quelle zu Flächenbedarf und Projektdetails würde ich diese koreanische Veröffentlichung nehmen:
DNEWS – Bericht zum Gwanggyo-Solarprojekt
Bildquelle: Korea Expressway Corporation
Siehe auch unsere NEWS vom 14. September 2026:
Solartunnel in Seoul: Photovoltaik schützt vor Verkehrslärm
Weitere Informationen und Neuigkeiten und dem Photovoltaik-Ausbau aus aller Welt finden Sie auch in unserem PV-Navi-ABC unter PV-International
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