Mitten in Seoul zeigt ein ungewöhnliches Projekt, dass Photovoltaik weit mehr kann, als Strom auf Hausdächern zu erzeugen. Auf einem 479 Meter langen Abschnitt des Dongbu Expressway wurde ein Photovoltaik-Lärmschutztunnel errichtet. Insgesamt 2.736 spezielle Solarmodule übernehmen dabei gleich zwei Aufgaben: Sie erzeugen erneuerbaren Strom und tragen gleichzeitig zum Schutz der angrenzenden Wohngebiete vor Verkehrslärm bei. Die Anlage verfügt über eine Leistung von 902,8 kW und soll jährlich rund 830.000 kWh Strom erzeugen. Damit wird eine ohnehin benötigte Verkehrsinfrastruktur zusätzlich zum Kraftwerk und zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in der Mehrfachnutzung bereits vorhandener Flächen steckt.
Solarmodule werden selbst zum Lärmschutz
Das Besondere an der Anlage ist ihre Konstruktion. Die Photovoltaik wurde nicht einfach nachträglich auf einen vorhandenen Tunnel montiert. Nach Angaben der Stadt Seoul wurden insgesamt 2.736 schalldämmende Photovoltaikmodule miteinander verbunden und damit unmittelbar in die Lärmschutzkonstruktion integriert.
Die Solaranlage erstreckt sich über eine Fläche von 5.472 Quadratmetern. Mit ihrer Leistung von 902,8 kW soll sie jährlich etwa 830.000 kWh Solarstrom erzeugen. Die Stadt Seoul bezifferte dies bei der Fertigstellung auf den damaligen Strombedarf von rund 300 Haushalten.
Gleichzeitig erfüllt die Konstruktion weiterhin ihren ursprünglichen Zweck: Sie reduziert den Verkehrslärm für die angrenzenden Wohngebiete. Aus einer technischen Infrastruktur mit einer Aufgabe wird damit eine Anlage mit zusätzlichem energetischem Nutzen.
Vorhandene Infrastruktur doppelt nutzen
Gerade in dicht besiedelten Großstädten sind geeignete Flächen knapp. Straßen, Gebäude und andere Infrastruktur beanspruchen bereits große Teile des verfügbaren Raums. Deshalb wird die Frage immer wichtiger, ob solche Flächen zusätzlich für die Energieerzeugung genutzt werden können.
Der Photovoltaik-Lärmschutztunnel in Seoul liefert darauf eine interessante Antwort. Die Verkehrsfläche bleibt erhalten, der notwendige Lärmschutz wird gewährleistet und gleichzeitig entsteht erneuerbarer Strom.
Natürlich lässt sich dieses Konzept nicht auf jede Straße übertragen. Ausrichtung, Sonneneinstrahlung, Statik, Verkehrssicherheit, Wartung und Wirtschaftlichkeit müssen jeweils geprüft werden. Doch gerade bei neu errichteten oder ohnehin zu erneuernden Lärmschutzanlagen lohnt es sich, Photovoltaik von Anfang an mitzudenken.
Fazit aus der Sicht von PV-Navi
Bei der Energiewende wird häufig darüber diskutiert, wo zusätzliche Flächen für Photovoltaik gefunden werden sollen. Vielleicht sollten wir öfter andersherum denken: Welche Infrastruktur müssen wir ohnehin bauen und welchen zusätzlichen Nutzen könnte sie übernehmen? Der Photovoltaik-Lärmschutztunnel in Seoul macht genau das vor. Er schützt Menschen vor Verkehrslärm und produziert gleichzeitig Solarstrom. Eine Konstruktion, zwei Aufgaben und kein zusätzlicher Flächenverbrauch für die Stromerzeugung. Solche Ideen brauchen wir für eine Energiewende, die vorhandene Flächen möglichst intelligent nutzt.
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Originalquelle für die endgültigen Projektdaten:
Seoul Metropolitan Government – fertiggestellter Photovoltaik-Lärmschutztunnel
Quelle für das Projektfoto:
Korea.net – ursprünglicher Bericht zum Solartunnel mit Foto
Bild: Die Stadt Seoul soll einen schalldichten und solarenergieerzeugenden Tunnel entlang der Dongbu Expressway installieren. (Metropolregierung von Seoul)
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