Wenn das Auto parkt, arbeitet seine Batterie fürs Stromnetz

Datum: 29. September 2026
Bidirektional ladende Elektroautos in Utrecht dienen beim Carsharing gleichzeitig als mobile Speicher für erneuerbaren Strom.

Elek­tro­au­tos ste­hen einen gro­ßen Teil des Tages unge­nutzt her­um. In Utrecht wird genau die­se Zeit zuneh­mend für die Ener­gie­wen­de genutzt. Hun­der­te elek­tri­sche Car­sha­ring-Autos kön­nen dort nicht nur Strom laden, son­dern ihn bei Bedarf auch wie­der ins öffent­li­che Netz zurück­spei­sen. Das Prin­zip nennt sich Vehic­le-to-Grid, kurz V2G. Beson­ders inter­es­sant wird es in Ver­bin­dung mit Solar- und Wind­ener­gie: Gibt es viel erneu­er­ba­ren Strom, wer­den die Fahr­zeug­bat­te­rien gela­den. Steigt spä­ter der Strom­be­darf, kön­nen sie einen Teil die­ser Ener­gie wie­der abge­ben. Aus par­ken­den Autos wer­den damit zeit­wei­se mobi­le Strom­spei­cher.

 

Das Elektroauto kann mehr als nur fahren

Bei einem gewöhn­li­chen Elek­tro­au­to fließt der Strom in eine Rich­tung: vom Strom­netz in die Bat­te­rie. Beim bidi­rek­tio­na­len Laden funk­tio­niert das auch umge­kehrt. Das Auto kann gespei­cher­te Ener­gie über eine ent­spre­chend aus­ge­rüs­te­te Lade­säu­le wie­der ins Netz zurück­ge­ben.

Utrecht sam­melt damit bereits seit Jah­ren Erfah­run­gen. Einen ent­schei­den­den Schritt mach­te die Stadt 2025 mit dem Pro­jekt „Utrecht Ener­gi­zed“. Renault, MyWheels, We Dri­ve Solar und die Stadt star­te­ten einen groß ange­leg­ten V2G-Car­sha­ring-Dienst. Zunächst gin­gen 50 Renault 5 E‑Tech samt bidi­rek­tio­na­ler Lade­infra­struk­tur in Betrieb. Vor­ge­se­hen wur­de eine Flot­te von ins­ge­samt bis zu 500 ent­spre­chend aus­ge­rüs­te­ten Elek­tro­au­tos.

Inzwi­schen spricht der nie­der­län­di­sche Netz­be­trei­ber Stedin von Hun­der­ten bidi­rek­tio­na­len Car­sha­ring-Fahr­zeu­gen, die in Utrecht Strom auf­neh­men und wie­der zurück­spei­sen kön­nen.

 

Solarstrom parkt einfach im Auto

Das Kon­zept passt beson­ders gut zu einer Stadt mit viel Pho­to­vol­ta­ik. Nach Anga­ben der Pro­jekt­part­ner sind bereits rund 35 Pro­zent der Dächer in Utrecht mit Solar­mo­du­len aus­ge­stat­tet. Scheint mit­tags die Son­ne und wird mehr Strom erzeugt als gera­de benö­tigt, kön­nen die Bat­te­rien der ver­füg­ba­ren Car­sha­ring-Fahr­zeu­ge gela­den wer­den. Am Abend, wenn die Son­ne ver­schwun­den und der Strom­ver­brauch höher ist, kann ein Teil die­ser Ener­gie wie­der zurück ins Netz flie­ßen.

Dabei hat Car­sha­ring einen inter­es­san­ten Vor­teil: Durch die Reser­vie­run­gen ist bekannt, wann ein Fahr­zeug wie­der gebraucht wird. Laden und Ent­la­den las­sen sich des­halb so steu­ern, dass das Auto für die nächs­te Fahrt aus­rei­chend gela­den ist. Das Fahr­zeug erfüllt damit zwei Auf­ga­ben: Wenn jemand fah­ren möch­te, sorgt es für Mobi­li­tät. Wenn es her­um­steht, kann sei­ne Bat­te­rie dem Ener­gie­sys­tem zur Ver­fü­gung ste­hen.

 

Jetzt sollen die Autos sogar gezielt das Stromnetz entlasten

Im Juni 2026 folg­te der nächs­te wich­ti­ge Schritt. Netz­be­trei­ber Stedin und Lom­boX­net ver­ein­bar­ten, die Fle­xi­bi­li­tät der bidi­rek­tio­na­len Lade­punk­te gezielt zur Ent­las­tung des Utrech­ter Strom­net­zes ein­zu­set­zen. Das ist des­halb inter­es­sant, weil Utrecht wie zahl­rei­che ande­re Regio­nen der Nie­der­lan­de mit Eng­päs­sen im Strom­netz kämpft. Gera­de zu Zei­ten hoher Ein­spei­sung oder hohen Ver­brauchs stößt das Netz an Gren­zen. Die Elek­tro­au­tos erset­zen des­halb natür­lich kei­nen not­wen­di­gen Netz­aus­bau. Sie kön­nen aber dabei hel­fen, vor­han­de­ne Netz­ka­pa­zi­tä­ten intel­li­gen­ter zu nut­zen und Ver­brauch und Strom­erzeu­gung zeit­lich bes­ser auf­ein­an­der abzu­stim­men.

 

Vom Auto zum Teil des Energiesystems

Genau die­se Ent­wick­lung macht Utrecht so span­nend. Elek­tro­mo­bi­li­tät, Car­sha­ring, Pho­to­vol­ta­ik und Strom­spei­che­rung wer­den hier nicht getrennt betrach­tet. Ein Elek­tro­au­to benö­tigt ohne­hin eine gro­ße Bat­te­rie. Wenn die­se Bat­te­rie vie­le Stun­den am Tag unge­nutzt her­um­steht, liegt der Gedan­ke nahe, einen Teil die­ser Spei­cher­ka­pa­zi­tät auch für das Ener­gie­sys­tem zu ver­wen­den. Wie das in Utrecht bereits funk­tio­niert, zeigt übri­gens auch das ARD-Euro­pa­ma­ga­zin in einem rund sechs­mi­nü­ti­gen Bei­trag vom März 2026 mit dem tref­fen­den Titel „Utrecht lädt die Zukunft: Neue Ener­gie­spei­cher revo­lu­tio­nie­ren die Stadt“.

 

Fazit aus der Sicht von PV-Navi

Ein ein­zi­ges voll­ge­la­de­nes Auto kann rech­ne­risch bereits eine Grö­ßen­ord­nung von rund zwei Dut­zend Haus­hal­ten eine Stun­de lang mit Strom ver­sor­gen. Ste­hen in einer Stra­ße meh­re­re bidi­rek­tio­nal ange­schlos­se­ne Fahr­zeu­ge, wird dar­aus schnell ein beacht­li­cher loka­ler Spei­cher. Genau dar­in liegt der Charme der Idee aus Utrecht: Der Strom­spei­cher der Zukunft muss nicht immer als gro­ßer Bat­te­rie­con­tai­ner irgend­wo am Stadt­rand ste­hen. Viel­leicht parkt ein Teil davon längst direkt vor unse­rer Haus­tür.

Utrecht zeigt, wie dar­aus ein gemein­sa­mes Sys­tem ent­ste­hen kann: Solar­strom vom Dach, gespei­chert im Auto – und zurück ins Netz, wenn er dort gebraucht wird.

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Quel­len:

Stedin – Elek­tro­au­tos als mobi­le Bat­te­rien in Utrecht

We Dri­ve Solar – Utrecht Ener­gi­zed und das V2G-Car­sha­ring-Pro­jekt

Film­bei­trag:
ARD Euro­pa­ma­ga­zin – „Utrecht lädt die Zukunft: Neue Ener­gie­spei­cher revo­lu­tio­nie­ren die Stadt“

Bild: We Dri­ve Solar

 

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Wei­te­re Infor­ma­tio­nen und Neu­ig­kei­ten fin­den Sie auch in unse­rem PV-Navi-ABC unter Spei­cher für Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen

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