In der Ukraine zeigt ein außergewöhnliches Photovoltaikprojekt, dass die Energiewende längst nicht auf dem Dach enden muss. Das ukrainische Unternehmen UTEM SOLAR hat an einem Hotelkomplex zwei Fassaden zehnstöckiger Gebäude zur Energiequelle gemacht. Insgesamt 216 schwarze Solarmodule wurden direkt in die Gebäudehülle integriert. Zusammen erreichen sie eine Leistung von 96,3 kWp und sollen jährlich rund 60.000 bis 65.000 kWh Solarstrom erzeugen. Das Besondere daran: Die Photovoltaik wurde nicht einfach vor eine fertige Wand gehängt. Sie übernimmt selbst einen Teil der Fassadenfunktion und verbindet damit Architektur, Gebäudehülle und Stromerzeugung.
Aus einer Gebäudefassade wird ein Kraftwerk
Bei dem Projekt handelt es sich um gebäudeintegrierte Photovoltaik, häufig als BIPV bezeichnet. UTEM SOLAR stand dabei vor mehreren Herausforderungen. Die Module mussten so befestigt werden, dass sie sich architektonisch in die Fassade einfügen und gleichzeitig trotz ihrer vertikalen Ausrichtung möglichst effizient Strom erzeugen.
Hinzu kommt die Wärmeentwicklung der Module. Deshalb wurde die Konstruktion als hinterlüftete Fassade ausgeführt. Ein Luftspalt hinter den Solarmodulen sorgt für die notwendige Belüftung und soll verhindern, dass eine zu starke Erwärmung die Leistung der Anlage beeinträchtigt.
Auch optisch war die Aufgabe anspruchsvoll. UTEM SOLAR setzte 216 Full-Black-Module ein, die anstelle einer hochwertigen konventionellen Fassadenverkleidung Teil der Gebäudehülle werden. Aus einer Fläche, die normalerweise ausschließlich Kosten verursacht, wird so eine Fläche, die über viele Jahre Energie produziert.
Gerade in Städten steckt an den Wänden enormes Potenzial
Das Beispiel ist vor allem deshalb interessant, weil geeignete Dachflächen nicht unbegrenzt verfügbar sind. Technische Anlagen, Dachaufbauten, Verschattung oder schlicht eine zu kleine Dachfläche können die mögliche Photovoltaikleistung begrenzen.
Große Gebäude besitzen jedoch noch eine zweite Fläche, die bislang viel seltener für die Solarstromerzeugung genutzt wird: ihre Fassaden. Gerade bei mehrgeschossigen Gebäuden können dort erhebliche Flächen zusammenkommen.
Vertikale Photovoltaik hat außerdem ein anderes Erzeugungsprofil als optimal geneigte Dachanlagen. Sie produziert zwar über das Jahr betrachtet häufig weniger Strom je installiertem Kilowatt, kann dafür aber beispielsweise bei tief stehender Sonne interessante Erträge liefern. Entscheidend ist deshalb nicht immer die Frage, welche einzelne Fläche den höchsten Ertrag bringt, sondern wie möglichst viele geeignete Gebäudeflächen sinnvoll zusammenspielen.
Fazit aus der Sicht von PV-Navi
Warum sollte eine Hauswand eigentlich nur Hauswand sein? Das ukrainische Projekt zeigt sehr anschaulich, wie sich vorhandene Flächen mehrfach nutzen lassen. Eine Fassade schützt und gestaltet ein Gebäude ohnehin. Wenn sie gleichzeitig noch Solarstrom erzeugt, bekommt dieselbe Fläche einen zusätzlichen wirtschaftlichen und energetischen Nutzen. Besonders bei großen mehrgeschossigen Gebäuden sollten deshalb nicht nur die Dächer betrachtet werden. Die Energiewende braucht nicht zwangsläufig immer neue Flächen. Manchmal müssen wir einfach die Flächen entdecken, die längst vor unserer Nase stehen.
___________________
Originalquelle: UTEM SOLAR – „Fassade, die Energie erzeugt: ein neuer Fall von UTEM SOLAR“
UTEM SOLAR – Projektbericht mit den Originalbildern
Weitere Informationen und Neuigkeiten finden Sie auch in unserem PV-Navi-ABC unter Senkrechte PV-Module (Vertikale PV-Module)
Weitere Informationen und Neuigkeiten finden Sie auch in unserem PV-Navi-ABC unter PV Integration bei Gebäuden
Weitere Informationen und Neuigkeiten und dem Photovoltaik-Ausbau aus aller Welt finden Sie auch in unserem PV-Navi-ABC unter PV-International
___________________
Anmerkung:
Als Informationsdrehscheibe zu allen Bereichen rund um die Themen Photovoltaik und Energiewende hat PV-Navi Informationen aus vielen tausend Quellen zusammengetragen und übersichtlich aufbereitet.
Neben den täglichen NEWS finden Sie auf dieser Domain auch viele Informationen zu gewerblichen Anbietern, Veranstaltungen, Förderungen, besonderen Akteuren, Infoquellen, das PV-Navi-ABC und vieles mehr.