Solarstrom über dem Wasser – Kalifornien nutzt seine Kanäle doppelt

Datum: 31. Oktober 2026
Vier KI-generierte Ansichten zeigen Photovoltaiküberdachungen auf Stahlkonstruktionen über Bewässerungskanälen in einer landwirtschaftlichen Landschaft.

Son­ne ist für die Pho­to­vol­ta­ik unver­zicht­bar. Für die Was­ser­ver­sor­gung kann die­sel­be Son­ne aller­dings zum Pro­blem wer­den, wenn sie gro­ße Men­gen Was­ser ver­duns­ten lässt. In Kali­for­ni­en wird des­halb eine unge­wöhn­li­che Idee prak­tisch erprobt: Solar­mo­du­le über­span­nen Bewäs­se­rungs­ka­nä­le und erzeu­gen Strom, wäh­rend sie gleich­zei­tig das Was­ser dar­un­ter beschat­ten. Das Pro­jekt Nexus ver­bin­det damit zwei wich­ti­ge Auf­ga­ben der Ener­gie­wen­de: Die Erzeu­gung erneu­er­ba­rer Ener­gie und den spar­sa­men Umgang mit Was­ser. Was zunächst wie eine ein­fa­che Idee klingt, erfor­der­te auf­wen­di­ge tech­ni­sche Kon­struk­tio­nen. Inzwi­schen sind die Anla­gen in Betrieb und ers­te For­schungs­er­geb­nis­se zei­gen, dass sich der dop­pel­te Nut­zen tat­säch­lich ein­stel­len kann.

 

Solardächer über schmalen und breiten Kanälen

Das Pro­jekt ent­stand aus einer Zusam­men­ar­beit zwi­schen dem Tur­lock Irri­ga­ti­on Dis­trict, dem Cali­for­nia Depart­ment of Water Resour­ces, dem Unter­neh­men Solar AquaGrid und der Uni­ver­si­ty of Cali­for­nia, Mer­ced. Der US-Bun­des­staat Kali­for­ni­en stell­te dafür rund 20 Mil­lio­nen Dol­lar bereit.

An zwei Stand­or­ten im kali­for­ni­schen Cen­tral Val­ley wur­den unter­schied­li­che Kon­struk­tio­nen über bestehen­den Bewäs­se­rungs­ka­nä­len errich­tet. Dazu gehört eine rund 35 Meter brei­te Über­da­chung in Hick­man. Wei­te­re Anla­gen über­span­nen schma­le­re Kanal­ab­schnit­te. Ins­ge­samt ver­fügt das Pilot­pro­jekt über eine Pho­to­vol­ta­ik­leis­tung von mehr als 1,6 Mega­watt. Die wesent­li­chen Anla­gen wur­den 2025 fer­tig­ge­stellt und in Betrieb genom­men; im April 2026 wur­de der Abschluss des Pro­jekt­aus­baus offi­zi­ell gefei­ert.

 

Erste Messungen zeigen deutliche Einsparungen

Die For­schen­den unter­su­chen nicht nur die Strom­erzeu­gung, son­dern auch die Aus­wir­kun­gen der Beschat­tung auf das Was­ser. Ers­te Ergeb­nis­se der Uni­ver­si­ty of Cali­for­nia, Mer­ced zei­gen an den unter­such­ten Kanal­ab­schnit­ten eine um bis zu 70 Pro­zent gerin­ge­re Ver­duns­tung. Auch das Wachs­tum von Was­ser­pflan­zen ver­rin­ger­te sich um bis zu 85 Pro­zent.

Das könn­te künf­tig einen wei­te­ren Vor­teil brin­gen: Weni­ger Pflan­zen­wuchs bedeu­tet mög­li­cher­wei­se gerin­ge­ren Auf­wand für die Rei­ni­gung und Instand­hal­tung der Kanä­le. Die Unter­su­chun­gen lau­fen aller­dings wei­ter. Wie groß die Ein­spa­run­gen über län­ge­re Zeit­räu­me und an unter­schied­li­chen Stand­or­ten tat­säch­lich aus­fal­len, muss sich noch zei­gen.

 

Ein riesiges Potenzial für Kalifornien

Kali­for­ni­en ver­fügt über rund 6.400 Kilo­me­ter offe­ne Was­ser­ka­nä­le. Eine frü­he­re Stu­die der Uni­ver­si­ty of Cali­for­nia, Mer­ced errech­ne­te, dass eine groß­flä­chi­ge Über­da­chung jähr­lich bis zu 238 Mil­li­ar­den Liter Was­ser ein­spa­ren könn­te. Gleich­zei­tig wäre eine zusätz­li­che Solar­leis­tung von rech­ne­risch etwa 13 Giga­watt mög­lich.

Die­se Zah­len beschrei­ben aller­dings ein theo­re­ti­sches Aus­bau­po­ten­zi­al und nicht die Leis­tung des bis­he­ri­gen Pilot­pro­jekts. Nicht jeder Kanal eig­net sich glei­cher­ma­ßen für eine Über­da­chung. Des­halb sol­len die prak­ti­schen Erfah­run­gen hel­fen, geeig­ne­te Stand­or­te und wirt­schaft­lich sinn­vol­le Kon­struk­tio­nen zu iden­ti­fi­zie­ren.

 

Stromerzeugung ohne zusätzliche Flächen

Ein beson­de­rer Vor­teil liegt in der Nut­zung bereits vor­han­de­ner Infra­struk­tur. Die Solar­mo­du­le bean­spru­chen kei­ne zusätz­li­chen land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen, son­dern über­span­nen Was­ser­we­ge, die ohne­hin bestehen. Ergän­zend wird beim Pro­jekt auch die Kom­bi­na­ti­on mit Bat­te­rie­spei­chern unter­sucht.

 

Fazit aus der Sicht von PV-Navi

Das Pro­jekt Nexus zeigt ein­drucks­voll, wie sich zwei Her­aus­for­de­run­gen mit einer gemein­sa­men Lösung ange­hen las­sen. Pho­to­vol­ta­ik erzeugt Strom, schützt gleich­zei­tig wert­vol­les Was­ser und nutzt vor­han­de­ne Flä­chen mehr­fach. Beson­ders erfreu­lich ist, dass die Idee nicht mehr nur auf Berech­nun­gen beruht: Die Anla­gen arbei­ten bereits und ers­te Mes­sun­gen bestä­ti­gen wich­ti­ge Vor­tei­le. Sol­che Pro­jek­te machen deut­lich, wie viel Poten­zi­al in einer intel­li­gen­ten Ver­bin­dung von Ener­gie- und Was­ser­wirt­schaft steckt.

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Quel­len

 

Bil­der: KI-gene­rier­te Illus­tra­ti­on zum kali­for­ni­schen Pro­jekt Nexus. Die vier Ansich­ten ver­an­schau­li­chen das Prin­zip von Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen über Bewäs­se­rungs­ka­nä­len. Es han­delt sich nicht um Ori­gi­nal­auf­nah­men der tat­säch­li­chen Anla­gen.

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