Solarstrom mit den Nachbarn teilen – Europa macht es vor

Datum: 3. November 2026
Luftaufnahme eines Gebäudedachs mit Photovoltaikanlage als Symbolbild für die gemeinschaftliche Nutzung von Solarstrom.

Eine Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge auf dem Dach erzeugt mit­tags mehr Strom, als ihre Besit­zer gera­de benö­ti­gen. Gleich­zei­tig könn­te der Nach­bar die­sen Strom gut gebrau­chen – viel­leicht für sei­ne Wär­me­pum­pe oder zum Laden sei­nes Elek­tro­au­tos. War­um also nicht den selbst erzeug­ten Solar­strom direkt mit­ein­an­der tei­len? Was zunächst wie eine ein­fa­che Idee klingt, ist in meh­re­ren euro­päi­schen Län­dern bereits geleb­te Pra­xis. In Öster­reich und ande­ren Nach­bar­län­dern ermög­li­chen gesetz­li­che Rege­lun­gen gemein­schaft­li­che Strom­nut­zung. Auch Deutsch­land hat inzwi­schen die recht­li­chen Grund­la­gen für das soge­nann­te Ener­gy Sha­ring geschaf­fen. Doch bis aus dem Gesetz ein unkom­pli­zier­tes Ange­bot für mög­lichst vie­le Men­schen wird, sind noch wich­ti­ge prak­ti­sche Schrit­te erfor­der­lich.

 

Österreich zeigt, wie es funktionieren kann

In Öster­reich kön­nen sich Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, Unter­neh­men und Gemein­den bereits seit 2021 zu Erneu­er­ba­re-Ener­gie-Gemein­schaf­ten zusam­men­schlie­ßen. Sie erzeu­gen Strom gemein­schaft­lich und tei­len ihn über das öffent­li­che Strom­netz. Dabei kön­nen bei­spiels­wei­se meh­re­re Haus­hal­te von einer Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge pro­fi­tie­ren, obwohl die Solar­mo­du­le nur auf einem ein­zi­gen Dach instal­liert sind.

Die Abrech­nung erfolgt anhand der gemes­se­nen Strom­erzeu­gung und des jewei­li­gen Ver­brauchs. Für den gemein­schaft­lich genutz­ten Strom gel­ten unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen redu­zier­te Netz­ent­gel­te. Damit ent­ste­hen wirt­schaft­li­che Anrei­ze, erneu­er­ba­re Ener­gie mög­lichst regio­nal zu nut­zen.

 

Auch andere europäische Länder sind weiter

Neben Öster­reich hat sich Ener­gy Sha­ring unter ande­rem in Ita­li­en und Bel­gi­en ent­wi­ckelt. Dort bestehen unter­schied­li­che Model­le, mit denen Haus­hal­te, Unter­neh­men und loka­le Gemein­schaf­ten erneu­er­ba­ren Strom gemein­sam nut­zen kön­nen.

Die euro­päi­schen Bei­spie­le zei­gen, dass Bür­ger­en­er­gie nicht auf gemein­schaft­lich finan­zier­te Solar­parks beschränkt blei­ben muss. Auch die direk­te Betei­li­gung an der erzeug­ten Ener­gie kann ein wich­ti­ger Bestand­teil einer dezen­tra­len Strom­ver­sor­gung wer­den.

 

Deutschland schafft die rechtlichen Voraussetzungen

In Deutsch­land wur­de mit dem neu­en § 42c Ener­gie­wirt­schafts­ge­setz erst­mals eine aus­drück­li­che gesetz­li­che Grund­la­ge für die gemein­sa­me Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gie über das öffent­li­che Netz geschaf­fen.

Die Ein­füh­rung erfolgt schritt­wei­se. Ab dem 1. Juni 2026 müs­sen Netz­be­trei­ber Ener­gy Sha­ring zunächst inner­halb ihres jewei­li­gen Bilan­zie­rungs­ge­biets ermög­li­chen. Ab Juni 2028 sol­len ent­spre­chen­de Ange­bo­te auch über angren­zen­de Bilan­zie­rungs­ge­bie­te hin­weg mög­lich wer­den.

Aller­dings bedeu­tet die gesetz­li­che Ein­füh­rung noch nicht, dass die Teil­nah­me über­all ein­fach ist. Tech­ni­sche Vor­aus­set­zun­gen wie intel­li­gen­te Mess­sys­te­me, die erfor­der­li­che Daten­ver­ar­bei­tung und geeig­ne­te Abrech­nungs­mo­del­le müs­sen vor­han­den sein. Außer­dem gibt es in Deutsch­land bis­lang kei­ne ver­gleich­ba­ren Ver­güns­ti­gun­gen bei den Netz­ent­gel­ten wie in Öster­reich.

 

Bürgerenergie könnte eine neue Dimension erreichen

Für den Solar­ener­gie-För­der­ver­ein Deutsch­land (SFV) ist Ener­gy Sha­ring ein wich­ti­ger Bau­stein für eine stär­ker gemein­schaft­lich orga­ni­sier­te Ener­gie­wen­de. Der Ver­ein setzt sich dafür ein, dass die Rege­lun­gen mög­lichst ein­fach, wirt­schaft­lich attrak­tiv und für vie­le Men­schen zugäng­lich gestal­tet wer­den.

Gera­de für Men­schen ohne eige­nes Solar­dach könn­te Ener­gy Sha­ring neue Betei­li­gungs­mög­lich­kei­ten schaf­fen. Wer in einer Miet­woh­nung lebt, könn­te bei­spiels­wei­se Strom aus einer gemein­schaft­lich betrie­be­nen Anla­ge in der Nach­bar­schaft bezie­hen.

 

Fazit aus der Sicht von PV-Navi

Ener­gy Sha­ring eröff­net die Mög­lich­keit, die Ener­gie­wen­de noch stär­ker in die Hän­de der Men­schen vor Ort zu legen. Öster­reich und ande­re euro­päi­sche Län­der zei­gen bereits, wie gemein­schaft­li­che Strom­nut­zung funk­tio­nie­ren kann. Deutsch­land hat den recht­li­chen Anfang gemacht. Ent­schei­dend wird nun sein, dar­aus ein all­tags­taug­li­ches Modell zu ent­wi­ckeln, das nicht an kom­pli­zier­ten tech­ni­schen und büro­kra­ti­schen Anfor­de­run­gen schei­tert. Denn gemein­sam erzeug­ter und genutz­ter Solar­strom könn­te für vie­le Men­schen ein wei­te­rer Zugang zur Ener­gie­wen­de wer­den.

___________________

Quel­len

 

Foto: © BMWE – Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie

___________________

Anmer­kung:
Als Infor­ma­ti­ons­dreh­schei­be zu allen Berei­chen rund um die The­men Pho­to­vol­ta­ik und Ener­gie­wen­de hat PV-Navi Infor­ma­tio­nen aus vie­len tau­send Quel­len zusam­men­ge­tra­gen und über­sicht­lich auf­be­rei­tet.

Neben den täg­li­chen NEWS fin­den Sie auf die­ser Domain auch vie­le Infor­ma­tio­nen zu gewerb­li­chen Anbie­tern, Ver­an­stal­tun­gen, För­de­run­gen, beson­de­ren Akteu­ren, Info­quel­len, das PV-Navi-ABC und vie­les mehr.

Navigation