Photovoltaik in der Wüste hat einen überraschenden zusätzlichen Effekt: Große Solarparks können nicht nur enorme Mengen erneuerbaren Strom erzeugen, sondern offenbar auch dazu beitragen, weniger Wüstenstaub in die Atmosphäre gelangen zu lassen. Forschende der Universitäten Nanjing und Peking haben untersucht, welchen Einfluss die großen chinesischen Solarparks rund um die Gobi-Wüste auf Wind, Boden, Vegetation und Staubtransport haben. Das Ergebnis: Die Solarmodule bremsen den Wind in Bodennähe, die Vegetation kann sich erholen und der Boden wird weniger leicht abgetragen. Bei einem weiteren Ausbau könnten davon sogar weit entfernte Städte profitieren.
Solarmodule werden zum Windschutz
Wüstenstaub entsteht vor allem dort, wo kräftiger Wind auf trockenen, lockeren und kaum bewachsenen Boden trifft. Genau an dieser Stelle verändern große Photovoltaikanlagen die Bedingungen. Die Modulreihen bilden Hindernisse für den Wind und verringern dadurch die Windgeschwindigkeit unmittelbar über dem Boden.
Damit kann weniger Sand und Staub aufgewirbelt werden. Gleichzeitig verändert die teilweise Beschattung durch die Module das Mikroklima. Die Forschenden stellten fest, dass die Vegetation in der Umgebung der untersuchten Solarparks im Frühjahr gegenüber der Zeit vor deren Bau um rund 17 Prozent zugenommen hatte. Die Anfälligkeit des Bodens für Winderosion ging in ähnlicher Größenordnung zurück.
Schon bestehende Solarparks halten enorme Staubmengen zurück
Für ihre Untersuchung kombinierten die Wissenschaftler Satellitenbeobachtungen mit Computermodellen. Ihre Berechnungen zeigen, dass die bereits bestehenden Solarparks die Staubemissionen der untersuchten Region im Frühjahr um rund 352.000 Tonnen pro Monat reduzieren können.
Das ist nicht nur für die unmittelbare Umgebung interessant. Staub aus der Gobi-Wüste wird über große Entfernungen transportiert und beeinträchtigt regelmäßig die Luftqualität in dicht besiedelten Gebieten Nordchinas.
Die Solarparks wirken damit gewissermaßen doppelt: Sie produzieren erneuerbaren Strom und verändern gleichzeitig die Bedingungen, unter denen Wüstenstaub entsteht und weitertransportiert wird.
Bis zu 14 Prozent weniger Staubbelastung möglich
China plant den weiteren massiven Ausbau der Solarenergie in seinen Wüstenregionen. Die Forschenden haben deshalb auch berechnet, was passieren könnte, wenn dieser Ausbau entsprechend den chinesischen Zielen zur Klimaneutralität bis 2060 fortgesetzt wird.
Das Ergebnis ist bemerkenswert: Die durchschnittliche Belastung mit Feinstaubpartikeln im Frühjahr könnte in Nordchina dadurch um annähernd 14 Prozent sinken. In einzelnen besonders betroffenen Regionen könnten die Auswirkungen noch deutlicher ausfallen.
Dabei handelt es sich allerdings um Modellrechnungen und nicht um eine bereits gemessene zukünftige Entwicklung. Die Studie zeigt vielmehr, welches zusätzliche Potenzial großflächige Photovoltaikanlagen in trockenen Regionen besitzen könnten.
Fazit aus der Sicht von PV-Navi
Photovoltaik wird meistens danach beurteilt, wie viel Strom sie erzeugt und wie viel fossile Energie dadurch ersetzt werden kann. Die Untersuchung aus China zeigt, dass sich ein zweiter Blick lohnen kann.
Wenn Solarmodule den Wind am Boden abbremsen, die Vegetation begünstigen und dadurch weniger Boden abgetragen wird, bekommt ein Solarpark in einer Wüstenregion plötzlich eine zusätzliche Funktion. Er wird nicht nur zum Kraftwerk, sondern kann unter geeigneten Bedingungen auch einen Beitrag zum Schutz des Bodens und zur Verringerung der Staubbelastung leisten.
Das bedeutet nicht, dass jeder Solarpark automatisch eine ökologische Verbesserung darstellt. Standort, Bauweise und Umgang mit dem Boden bleiben entscheidend. Aber gerade deshalb ist das Ergebnis spannend: Gut geplante Photovoltaik kann offenbar mehr leisten, als einfach nur Strom zu produzieren.
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Quellen
Geophysical Research Letters, Yueting Hao et al., „Dust Pollution Mitigation by Solar Farm Deployment in Northern China“:
Originalstudie in Geophysical Research Letters
Sonnenseite, „Solarparks verringern die Erosion von Wüsten“:
Bericht bei Sonnenseite
Foto: PV-Navi/ChatGPT (KI-generiert)
Weitere Informationen und Neuigkeiten finden Sie auch in unserem PV-Navi-ABC unter Solarpark
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