In Lollar (Landkreis Gießen/Hessen) läuft derzeit ein vielversprechender Praxistest für eine solarbetriebene Kläranlage: Im Rahmen des Forschungsprojekts „EnsAK“ (Entwicklung einer neuartigen, solarbetriebenen Abwasserbehandlung für den Katastrophenfall) wird Abwasser mit einer Anlage gereinigt, die tagsüber ausschließlich mit Solarstrom betrieben wird. Das Projekt wird von der Technische Hochschule Mittelhessen geleitet und vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit rund 242.500 Euro gefördert.
Der praktische Versuch folgt auf erfolgreiche Laboruntersuchungen. Seit September 2025 ist die Anlage in einer kommunalen Kläranlage in Betrieb, aufgebaut von dem Unternehmen Saygin & Stein und begleitet vom Zweckverband Lollar-Staufenberg. Kern der Anlage sind ein Reaktor, stabile Schaumstoffwürfel und Mikroorganismen, die das vorgereinigte Abwasser weiter aufbereiten. Studierende der THM begleiten den Betrieb vor Ort und überwachen die Effektivität der Reinigung.
Solarenergie trifft Wassertechnik
Das Besondere am Projekt ist, dass der Klärprozess tagsüber mit Solarstrom betrieben wird, der durch Photovoltaik erzeugt wurde. In der Nacht ruht die Anlage, was die Abhängigkeit von externen Energiequellen minimiert und die Autarkie der Wasserreinigung erhöht. Die Kombination aus Solarenergie und cleverer Umwelttechnik macht den Ansatz gerade für Notfallszenarien und abgelegene Regionen interessant, in denen keine durchgehende Stromversorgung sichergestellt ist.
Die Praxisanlage hat bereits gezeigt, dass sie die in Deutschland geltenden Grenzwerte für organische Schmutzfracht um etwa 90 Prozent senken kann, während Stickstoff um rund 60 bis 70 Prozent reduziert wird. Regelmäßige Proben und Laboranalysen sollen Aufschluss darüber geben, wie sich die Systemleistung über verschiedene Jahreszeiten und Temperaturen entwickelt. Ziel ist es, die Technik so weiterzuentwickeln, dass sie jederzeit schnell installiert und betrieben werden kann – zum Beispiel bei Naturkatastrophen oder in Krisengebieten.
Perspektiven für Klima, Umwelt und Krisensicherheit
EnsAK ist nicht nur eine technische Lösung, sondern ein Beispiel dafür, wie Energiewende, Solarenergie und nachhaltige Wassertechnik zusammenwirken können. Die mögliche Mobilität der Anlage, der solarbetriebene Betrieb und die Einhaltung strenger Abwassergrenzwerte zeigen, dass Photovoltaik auch in systemübergreifenden Umwelttechnologien eine Rolle spielt. Langfristig könnte eine optimierte Version der Anlage weltweit dort eingesetzt werden, wo sauberes Wasser und Energieautarkie gefragt sind.
Fazit:
Mit der solarbetriebenen Kläranlage in Lollar demonstriert die THM, wie erneuerbare Energieflüsse und umwelttechnische Innovationen praktisch zusammengeführt werden können. Das Projekt liefert damit ein konkretes Beispiel, wie Photovoltaik und Energiewende in breiteren technischen Feldern wirken – von kommunaler Wasseraufbereitung bis hin zur Krisenvorsorge.
Foto: In der Kläranlage in Lollar hat das Forschungsteam die Notfallkläranlage aufgebaut. Die Studenten Nicolas Jost (li.) und Louis Müller überprüfen, ob alles funktioniert.
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Quelle für Bild und Text: Presseerklärung von Technische Hochschule Mittelhessen
Hier kommen Sie zu der gesamten Presseerklärung
Solarbetriebene Kläranlage reinigt Abwasser
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Anmerkung:
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