Mit Sonnenenergie gebraut: Forschungsprojekt will Bier weitgehend ohne Erdgas produzieren

Datum: 24. Oktober 2026
Zwei Mitarbeiter der Hochschule Hannover arbeiten an Technik für das Forschungsprojekt RenewBrew zum klimafreundlichen Bierbrauen.

Ein küh­les Bier und Son­nen­schein pas­sen ohne­hin gut zusam­men. Künf­tig könn­te die Son­ne sogar einen erheb­li­chen Teil der Ener­gie lie­fern, die zum Brau­en benö­tigt wird. Die Hoch­schu­le Han­no­ver ent­wi­ckelt im For­schungs­pro­jekt „Renew­Brew“ gemein­sam mit dem Nor­der­ney­er Brau­haus ein Ener­gie­sys­tem, das Pho­to­vol­ta­ik, kon­zen­trie­ren­de Solar­ther­mie, Hoch­tem­pe­ra­tur-Wär­me­pum­pen und Wär­me­spei­cher mit­ein­an­der kom­bi­niert. Ziel ist es, die für den Brau­pro­zess benö­tig­te Pro­zess­wär­me und den Was­ser­dampf weit­ge­hend ohne fos­si­le Ener­gie­trä­ger bereit­zu­stel­len. Inter­es­sant ist das Pro­jekt weit über die Bier­pro­duk­ti­on hin­aus.

 

Die Sonne soll auch den Wasserdampf liefern

Bier­brau­en benö­tigt nicht nur Strom, son­dern vor allem Wär­me. Für ver­schie­de­ne Pro­duk­ti­ons­schrit­te wird Was­ser­dampf mit Tem­pe­ra­tu­ren von deut­lich über 100 Grad Cel­si­us gebraucht. Genau hier setzt „Renew­Brew“ an.

Kon­zen­trie­ren­de Solar­ther­mie bün­delt Son­nen­strah­len mit­hil­fe spe­zi­el­ler Spie­gel und erzeugt dadurch hohe Tem­pe­ra­tu­ren. Gleich­zei­tig lie­fert Pho­to­vol­ta­ik Strom, unter ande­rem für Hoch­tem­pe­ra­tur-Wär­me­pum­pen. Wär­me­spei­cher sol­len dafür sor­gen, dass erzeug­te Ener­gie nicht immer sofort ver­braucht wer­den muss.

Durch das Zusam­men­spiel die­ser Tech­no­lo­gien soll eine mög­lichst weit­ge­hend treib­haus­gas­freie Wär­me­ver­sor­gung ent­ste­hen. Das Nor­der­ney­er Brau­haus nutzt nach Anga­ben der Hoch­schu­le bereits heu­te für rund 60 Pro­zent des Brau­pro­zes­ses Solar­ener­gie. Das For­schungs­pro­jekt soll nun zei­gen, wie sich die­ser Anteil noch deut­lich stei­gern lässt.

 

Erst Testanlage in Hannover, dann Bierbrauen auf Norderney

Aktu­ell ent­steht an der Hoch­schu­le Han­no­ver eine wis­sen­schaft­li­che Test­an­la­ge. Die dort gewon­ne­nen Erkennt­nis­se sol­len anschlie­ßend in einen Demons­tra­tor ein­flie­ßen, der im Nor­der­ney­er Brau­haus instal­liert wird. Damit geht es nicht nur um eine theo­re­ti­sche Unter­su­chung. Die Kom­bi­na­ti­on aus Solar­ener­gie, Spei­cher und Wär­me­pum­pe soll unter rea­len Bedin­gun­gen in einem ver­gleichs­wei­se klei­nen ener­gie­in­ten­si­ven Betrieb erprobt wer­den.

Das For­schungs­pro­jekt läuft von Anfang 2026 bis Ende 2028 und wird mit rund 1,09 Mil­lio­nen Euro geför­dert. Neben der Hoch­schu­le Han­no­ver und dem Nor­der­ney­er Brau­haus ist auch das Unter­neh­men Jas­ke & Wolf Ver­fah­rens­tech­nik betei­ligt.

 

Vom Bier zur industriellen Wärmewende

Gera­de die­ser Punkt macht „Renew­Brew“ aus Sicht der Ener­gie­wen­de beson­ders inter­es­sant. Vie­le indus­tri­el­le Pro­zes­se benö­ti­gen hohe Tem­pe­ra­tu­ren und Was­ser­dampf. Die­se Wär­me wird bis­lang häu­fig mit Erd­gas erzeugt. Wenn sich eine Kom­bi­na­ti­on aus Pho­to­vol­ta­ik, Solar­ther­mie, Wär­me­spei­chern und Hoch­tem­pe­ra­tur-Wär­me­pum­pen tech­nisch und wirt­schaft­lich bewährt, könn­te das Prin­zip des­halb auch auf ande­re klei­ne­re und mitt­le­re Indus­trie­be­trie­be über­tra­gen wer­den.

Erneu­er­ba­re Ener­gien wür­den damit einen Bereich erobern, der bei der Ener­gie­wen­de manch­mal weni­ger sicht­bar ist als Strom­erzeu­gung, Elek­tro­au­tos oder Wär­me­pum­pen in Wohn­häu­sern: Die indus­tri­el­le Pro­zess­wär­me.

 

Fazit aus der Sicht von PV-Navi

Dass aus­ge­rech­net Bier dabei hilft, neue Lösun­gen für die Wär­me­wen­de zu ent­wi­ckeln, gefällt uns natür­lich beson­ders gut.

Hin­ter dem sym­pa­thi­schen Anwen­dungs­fall steckt aber eine ernst­haf­te Her­aus­for­de­rung: Eine kli­ma­neu­tra­le Indus­trie braucht nicht nur grü­nen Strom, son­dern auch Lösun­gen für hohe Tem­pe­ra­tu­ren und Pro­zess­wär­me.

„Renew­Brew“ zeigt einen span­nen­den Weg: Nicht eine ein­zel­ne Tech­no­lo­gie soll Erd­gas erset­zen, son­dern Pho­to­vol­ta­ik, Solar­ther­mie, Wär­me­pum­pe und Spei­cher arbei­ten gemein­sam. Wenn das beim Bier­brau­en funk­tio­niert und sich anschlie­ßend auf ande­re Betrie­be über­tra­gen lässt, könn­te aus einem For­schungs­pro­jekt auf Nor­der­ney weit mehr wer­den als nur ein beson­ders kli­ma­freund­li­ches Bier.

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Quel­len:

Hoch­schu­le Han­no­ver: „Hoch­schu­le Han­no­ver erforscht kli­ma­freund­li­ches Bier­brau­en mit Solar­ener­gie und Wär­me­pum­pe“
Pres­se­mit­tei­lung der Hoch­schu­le Han­no­ver

Hoch­schu­le Han­no­ver: „Mit Son­nen­kraft zum kli­ma­neu­tra­len Bier: For­schungs­pro­jekt ReNew­Brew star­tet auf Nor­der­ney“
Infor­ma­tio­nen zum For­schungs­pro­jekt Renew­Brew

 

Foto Hoch­schu­le Han­no­ver: Pro­jekt­lei­ter Prof. Dr. Lutz Mey­er rechts und den wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter Tor­ben Salm links

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