Ein kühles Bier und Sonnenschein passen ohnehin gut zusammen. Künftig könnte die Sonne sogar einen erheblichen Teil der Energie liefern, die zum Brauen benötigt wird. Die Hochschule Hannover entwickelt im Forschungsprojekt „RenewBrew“ gemeinsam mit dem Norderneyer Brauhaus ein Energiesystem, das Photovoltaik, konzentrierende Solarthermie, Hochtemperatur-Wärmepumpen und Wärmespeicher miteinander kombiniert. Ziel ist es, die für den Brauprozess benötigte Prozesswärme und den Wasserdampf weitgehend ohne fossile Energieträger bereitzustellen. Interessant ist das Projekt weit über die Bierproduktion hinaus.
Die Sonne soll auch den Wasserdampf liefern
Bierbrauen benötigt nicht nur Strom, sondern vor allem Wärme. Für verschiedene Produktionsschritte wird Wasserdampf mit Temperaturen von deutlich über 100 Grad Celsius gebraucht. Genau hier setzt „RenewBrew“ an.
Konzentrierende Solarthermie bündelt Sonnenstrahlen mithilfe spezieller Spiegel und erzeugt dadurch hohe Temperaturen. Gleichzeitig liefert Photovoltaik Strom, unter anderem für Hochtemperatur-Wärmepumpen. Wärmespeicher sollen dafür sorgen, dass erzeugte Energie nicht immer sofort verbraucht werden muss.
Durch das Zusammenspiel dieser Technologien soll eine möglichst weitgehend treibhausgasfreie Wärmeversorgung entstehen. Das Norderneyer Brauhaus nutzt nach Angaben der Hochschule bereits heute für rund 60 Prozent des Brauprozesses Solarenergie. Das Forschungsprojekt soll nun zeigen, wie sich dieser Anteil noch deutlich steigern lässt.
Erst Testanlage in Hannover, dann Bierbrauen auf Norderney
Aktuell entsteht an der Hochschule Hannover eine wissenschaftliche Testanlage. Die dort gewonnenen Erkenntnisse sollen anschließend in einen Demonstrator einfließen, der im Norderneyer Brauhaus installiert wird. Damit geht es nicht nur um eine theoretische Untersuchung. Die Kombination aus Solarenergie, Speicher und Wärmepumpe soll unter realen Bedingungen in einem vergleichsweise kleinen energieintensiven Betrieb erprobt werden.
Das Forschungsprojekt läuft von Anfang 2026 bis Ende 2028 und wird mit rund 1,09 Millionen Euro gefördert. Neben der Hochschule Hannover und dem Norderneyer Brauhaus ist auch das Unternehmen Jaske & Wolf Verfahrenstechnik beteiligt.
Vom Bier zur industriellen Wärmewende
Gerade dieser Punkt macht „RenewBrew“ aus Sicht der Energiewende besonders interessant. Viele industrielle Prozesse benötigen hohe Temperaturen und Wasserdampf. Diese Wärme wird bislang häufig mit Erdgas erzeugt. Wenn sich eine Kombination aus Photovoltaik, Solarthermie, Wärmespeichern und Hochtemperatur-Wärmepumpen technisch und wirtschaftlich bewährt, könnte das Prinzip deshalb auch auf andere kleinere und mittlere Industriebetriebe übertragen werden.
Erneuerbare Energien würden damit einen Bereich erobern, der bei der Energiewende manchmal weniger sichtbar ist als Stromerzeugung, Elektroautos oder Wärmepumpen in Wohnhäusern: Die industrielle Prozesswärme.
Fazit aus der Sicht von PV-Navi
Dass ausgerechnet Bier dabei hilft, neue Lösungen für die Wärmewende zu entwickeln, gefällt uns natürlich besonders gut.
Hinter dem sympathischen Anwendungsfall steckt aber eine ernsthafte Herausforderung: Eine klimaneutrale Industrie braucht nicht nur grünen Strom, sondern auch Lösungen für hohe Temperaturen und Prozesswärme.
„RenewBrew“ zeigt einen spannenden Weg: Nicht eine einzelne Technologie soll Erdgas ersetzen, sondern Photovoltaik, Solarthermie, Wärmepumpe und Speicher arbeiten gemeinsam. Wenn das beim Bierbrauen funktioniert und sich anschließend auf andere Betriebe übertragen lässt, könnte aus einem Forschungsprojekt auf Norderney weit mehr werden als nur ein besonders klimafreundliches Bier.
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Quellen:
Hochschule Hannover: „Hochschule Hannover erforscht klimafreundliches Bierbrauen mit Solarenergie und Wärmepumpe“
Pressemitteilung der Hochschule Hannover
Hochschule Hannover: „Mit Sonnenkraft zum klimaneutralen Bier: Forschungsprojekt ReNewBrew startet auf Norderney“
Informationen zum Forschungsprojekt RenewBrew
Foto Hochschule Hannover: Projektleiter Prof. Dr. Lutz Meyer rechts und den wissenschaftlichen Mitarbeiter Torben Salm links
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Anmerkung:
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