Photovoltaik auf einem denkmalgeschützten Gebäude muss nicht wie ein Fremdkörper wirken. Das zeigt die Hirschau im Englischen Garten in München. Auf den charakteristischen Dächern des traditionsreichen Biergartens wurden 198 Solarmodule installiert, die sich mit ihrer kupferroten Farbe erstaunlich unauffällig zwischen die vorhandenen Biberschwanzziegel einfügen. Zusammen erreicht die Anlage eine Leistung von 83 Kilowattpeak. Das Projekt zeigt damit sehr anschaulich, wie sich Denkmalschutz, historische Architektur und moderne Solarstromerzeugung miteinander verbinden lassen.
198 Module – und trotzdem fällt die Anlage kaum auf
Auf insgesamt rund 396 Quadratmetern wurden 198 Module des Typs Mono S4 Halfcut Chroma Orange von Solar Fabrik installiert. Jedes Modul besitzt eine Leistung von 420 Watt. Zusammen ergibt sich eine Anlagenleistung von 83 Kilowattpeak.
Die Besonderheit liegt jedoch weniger in der Größe als in der Gestaltung. Die Gebäude der Hirschau gehören zu einem denkmalgeschützten Ensemble. Ihre Dächer sind mit den für das Erscheinungsbild typischen Biberschwanzziegeln gedeckt.
Schwarze Standardmodule hätten sich davon deutlich abgehoben. Deshalb wurden kupferrote Module gewählt, deren Farbgebung sich an den vorhandenen Dachziegeln orientiert. Sogar die verwendeten Klemmen wurden farblich angepasst.
Erst das Muster aufs Dach, dann die Solaranlage
Wie wichtig die Optik bei diesem Projekt war, zeigt schon die Vorbereitung. Noch vor der Auftragserteilung wurde mit einem Handmuster vor Ort geprüft, wie die Modulfarbe zusammen mit dem vorhandenen Dach tatsächlich wirkt.
Erst danach fiel die Entscheidung für die orange-kupferrote Variante. Das Ergebnis ist gerade aus größerer Entfernung bemerkenswert: Die Photovoltaikanlage bleibt als technische Anlage erkennbar, drängt sich optisch aber nicht in den Vordergrund.
Nach Angaben von Solar Fabrik erreicht die Anlage einen spezifischen Jahresertrag von rund 906 Kilowattstunden je installiertem Kilowattpeak. Rechnerisch entspricht das einer jährlichen Solarstromproduktion von etwa 75.000 Kilowattstunden.
Denkmalschutz muss Photovoltaik nicht ausschließen
Gerade bei historischen Gebäuden und denkmalgeschützten Ensembles treffen unterschiedliche Interessen aufeinander. Einerseits soll das charakteristische Erscheinungsbild erhalten bleiben, andererseits werden auch diese Gebäude künftig erneuerbare Energie benötigen.
Das Münchner Beispiel zeigt eine mögliche Lösung: Nicht die Photovoltaik verstecken, sondern ihre Gestaltung an das Gebäude anpassen. Farbige Module, integrierte Systeme und speziell auf historische Dächer abgestimmte Lösungen erweitern dabei zunehmend die Möglichkeiten.
Auch die Stadt München sieht bei denkmalgeschützten Gebäuden grundsätzlich Spielraum für Photovoltaik, wenn die Anlagen mit dem jeweiligen Erscheinungsbild vereinbar sind. Entscheidend bleibt dabei immer die Prüfung des konkreten Einzelfalls.
Fazit aus der Sicht von PV-Navi
Vielleicht ist gerade das Unauffällige an dieser Anlage das eigentlich Auffällige. Fast 200 Solarmodule liegen mitten im Englischen Garten auf einem denkmalgeschützten Gebäude – und trotzdem bleibt der Charakter des Daches erhalten.
Solche Beispiele sind wichtig, weil die Energiewende nicht nur dort stattfinden kann, wo schwarze Standardmodule problemlos auf große moderne Dächer passen. Photovoltaik muss sich auch an besondere Gebäude, Architektur und örtliche Gegebenheiten anpassen können.
Die Hirschau zeigt: Manchmal muss sich nicht das Gebäude der Photovoltaik unterordnen. Man kann auch die Photovoltaik so gestalten, dass sie zum Gebäude passt.
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Quellen für Text und Foto
Solar Fabrik: „Farbige PV-Module für den Englischen Garten“
Projektbericht von Solar Fabrik
Solar Fabrik: Referenzprojekt „Photovoltaik für den Englischen Garten in München“
Referenzprojekt mit technischen Daten und Bildern
Weitere Informationen und Neuigkeiten finden Sie auch in unserem PV-Navi-ABC unter Farbige Solarmodule
Weitere Informationen und Neuigkeiten finden Sie auch in unserem PV-Navi-ABC unter Denkmalschutz
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