Energiewende von unten: 200 Menschen aus 70 Ländern schmieden in Brasilien gemeinsame Pläne

Datum: 28. Oktober 2026
Handgezeichnetes Schaubild des Renew Our Power Gathering mit Menschen, Symbolen und Gedanken zur gemeinschaftlichen Energiewende.

Was pas­siert, wenn Men­schen aus aller Welt zusam­men­kom­men, die nicht län­ger dar­auf war­ten wol­len, dass ande­re die Ener­gie­wen­de für sie gestal­ten? Im April 2025 tra­fen sich in Bra­si­li­en mehr als 200 enga­gier­te Men­schen aus über 70 Län­dern, um genau dar­über zu spre­chen – und gemein­sam prak­ti­sche Lösun­gen zu ent­wi­ckeln. Bei der inter­na­tio­na­len Ver­an­stal­tung „Renew Our Power“ ging es nicht nur um Kli­ma­schutz­for­de­run­gen, son­dern vor allem dar­um, wie Dorf­ge­mein­schaf­ten, Bür­ger­initia­ti­ven und loka­le Orga­ni­sa­tio­nen ihre eige­ne Ver­sor­gung mit erneu­er­ba­rer Ener­gie auf­bau­en kön­nen. Im Mit­tel­punkt stand eine ein­fa­che Idee: Wer Ener­gie vor Ort erzeugt und gemein­schaft­lich orga­ni­siert, gewinnt auch ein Stück Unab­hän­gig­keit.

 

Gemeinsam lernen, statt auf Lösungen zu warten

Orga­ni­siert wur­de das fünf­tä­gi­ge Tref­fen durch die inter­na­tio­na­le Kli­ma­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on 350.org und ihre Part­ner. Neben den mehr als 200 Teil­neh­men­den vor Ort betei­lig­ten sich wei­te­re Men­schen aus zahl­rei­chen Län­dern über das Inter­net.

In Work­shops und Gesprächs­run­den tausch­ten sie Erfah­run­gen mit gemein­schaft­li­chen Solar­pro­jek­ten, loka­len Strom­net­zen und der Finan­zie­rung erneu­er­ba­rer Ener­gien aus. Dabei ging es auch um die Fra­ge, wie Men­schen selbst Pro­jek­te ansto­ßen kön­nen, wenn ihnen bis­lang das Geld, das tech­ni­sche Wis­sen oder die poli­ti­sche Unter­stüt­zung feh­len.

Ein beson­de­rer Schwer­punkt lag auf den Erfah­run­gen indi­ge­ner Gemein­schaf­ten und von Men­schen, die von den Fol­gen des Kli­ma­wan­dels beson­ders betrof­fen sind.

 

Ein Beispiel aus dem Amazonasgebiet macht Mut

Wie viel gemein­schaft­li­che Ener­gie­ver­sor­gung ver­än­dern kann, zeig­te unter ande­rem Maria Cun­ha aus São Rai­mun­do im bra­si­lia­ni­schen Ama­zo­nas­ge­biet. Dort nutzt die Dorf­ge­mein­schaft Ein­nah­men aus der nach­hal­ti­gen Bewirt­schaf­tung des Pira­ru­cu, eines gro­ßen Süß­was­ser­fi­sches, um gemein­schaft­lich betrie­be­ne erneu­er­ba­re Ener­gie­ver­sor­gung auf­zu­bau­en.

Wäh­rend die Strom­ver­sor­gung frü­her ein­ge­schränkt und unzu­ver­läs­sig war, steht der Gemein­schaft nach Anga­ben der Ver­an­stal­ter inzwi­schen rund um die Uhr Elek­tri­zi­tät zur Ver­fü­gung. Das schafft neue Mög­lich­kei­ten für den All­tag und die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung. Sol­che Bei­spie­le mach­ten deut­lich, dass Ener­gie­wen­de nicht über­all gleich aus­se­hen muss. Ent­schei­dend ist, wel­che Lösung zu den Bedürf­nis­sen und Mög­lich­kei­ten der Men­schen vor Ort passt.

 

Auch die brasilianische Umweltministerin hörte zu

Das Tref­fen blieb nicht auf den Aus­tausch unter den Teil­neh­men­den beschränkt. Eine Dele­ga­ti­on über­gab in Bra­sí­lia For­de­run­gen für eine gerech­te Ener­gie­wen­de, die von mehr als 180 Orga­ni­sa­tio­nen unter­stützt wur­den. Sie rich­te­ten sich an die Prä­si­dent­schaft der dama­li­gen Welt­kli­ma­kon­fe­renz COP30.

Zum Abschluss sprach auch die bra­si­lia­ni­sche Umwelt­mi­nis­te­rin Mari­na Sil­va zu den Teil­neh­men­den. Sie beton­te die Bedeu­tung einer gerech­ten Ener­gie­wen­de und die Not­wen­dig­keit, die­se bei poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen stär­ker zu berück­sich­ti­gen. Aus dem Tref­fen gin­gen neue Kon­tak­te, gemein­sa­me Vor­ha­ben und Plä­ne für wei­te­re loka­le Initia­ti­ven her­vor. Wie vie­le zusätz­li­che Ener­gie­pro­jek­te dar­aus tat­säch­lich ent­ste­hen, lässt sich bis­lang aller­dings nicht bezif­fern.

 

Fazit aus der Sicht von PV-Navi

Die Ener­gie­wen­de braucht gro­ße Inves­ti­tio­nen und leis­tungs­fä­hi­ge Strom­net­ze. Aber sie braucht genau­so Men­schen, die vor Ort Ver­ant­wor­tung über­neh­men und gemein­sam etwas auf­bau­en. Beson­ders inter­es­sant ist an „Renew Our Power“, dass nicht nur über erneu­er­ba­re Ener­gien gespro­chen wur­de. Men­schen, die bereits prak­ti­sche Erfah­run­gen gesam­melt haben, gaben ihr Wis­sen an ande­re wei­ter. So kön­nen aus ein­zel­nen erfolg­rei­chen Pro­jek­ten neue Initia­ti­ven ent­ste­hen.

Pho­to­vol­ta­ik eig­net sich dafür beson­ders gut: Sie lässt sich auf klei­nen Gebäu­den eben­so ein­set­zen wie in gemein­schaft­li­chen Anla­gen und kann dort Strom lie­fern, wo eine zuver­läs­si­ge Ver­sor­gung bis­her fehlt. Viel­leicht liegt dar­in eine der größ­ten Stär­ken der Ener­gie­wen­de: Sie kann Men­schen mit­ein­an­der ver­bin­den, die Tau­sen­de Kilo­me­ter von­ein­an­der ent­fernt leben, aber an ganz ähn­li­chen Lösun­gen arbei­ten.

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Quel­len

350.org – Bericht über das inter­na­tio­na­le Tref­fen vom 18. April 2025: https://350.org/blog/renew-our-power-the-renewables-revolution-is-unstoppable/  
350.org – Offi­zi­el­le Ver­an­stal­tungs­sei­te mit Ergeb­nis­sen, Fotos und Pra­xis­bei­spie­len: https://350.org/renew-our-power/  
350.org – Rück­blick mit wei­te­ren Hin­ter­grün­den und Bil­dern: https://350.org/blog/our-power-good-climate-news-renewing-our-power/

Bild: Arte da Con­ver­sa / 350.org (gra­fi­sche Doku­men­ta­ti­on des Renew Our Power Gathe­ring)

 

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