Die Energiewende wartet nicht auf Berlin

Datum: 23. Oktober 2026
Vertreter von Green Planet Energy, Green Planet Projects, der Gemeinde und Landkraft Bürgerenergien bei der Solarpark-Eröffnung in Dedendorf.

Wäh­rend in Ber­lin über die Zukunft der Ener­gie­ver­sor­gung dis­ku­tiert wird, schaf­fen Bür­ge­rin­nen und Bür­ger andern­orts längst Tat­sa­chen. Im nie­der­säch­si­schen Deden­dorf ist ein neu­er Solar­park ent­stan­den, der gleich meh­re­re Zie­le mit­ein­an­der ver­bin­det: Erneu­er­ba­re Strom­erzeu­gung, regio­na­le Bür­ger­be­tei­li­gung und den Schutz der Arten­viel­falt. Hin­ter dem Pro­jekt ste­hen zwei Ener­gie­ge­nos­sen­schaf­ten, die gemein­sam zei­gen, wie die Ener­gie­wen­de vor Ort funk­tio­nie­ren kann. Beson­ders bemer­kens­wert ist dabei nicht nur die Grö­ße der Anla­ge, son­dern auch der Gedan­ke dahin­ter: Men­schen aus der Regi­on sol­len die Ener­gie­ver­sor­gung ihrer Hei­mat aktiv mit­ge­stal­ten kön­nen.

 

Ein Solarpark für rund 3.000 Haushalte

Am 10. Okto­ber 2026 wur­de der Solar­park Deden­dorf im Fle­cken Bücken, Land­kreis Nienburg/Weser, mit einem Tag der offe­nen Tür offi­zi­ell eröff­net. Zahl­rei­che Inter­es­sier­te nutz­ten die Gele­gen­heit, die Anla­ge ken­nen­zu­ler­nen.

Auf einer Flä­che von 10,4 Hekt­ar wur­den Pho­to­vol­ta­ik­mo­du­le mit einer Gesamt­leis­tung von 10,3 Mega­watt­peak instal­liert. Die erwar­te­te jähr­li­che Strom­erzeu­gung liegt bei rund 9,95 Mil­lio­nen Kilo­watt­stun­den. Das ent­spricht rech­ne­risch dem Strom­be­darf von etwa 3.000 Haus­hal­ten.

Ent­wi­ckelt wur­de das Pro­jekt gemein­sam von der regio­na­len Land­kraft Bür­ger­en­er­gien Hoyaer Land eG und der bun­des­weit täti­gen Ener­gie­ge­nos­sen­schaft Green Pla­net Ener­gy eG.

 

Bürgerbeteiligung statt bloßer Zuschauerrolle

Die 2023 gegrün­de­te Land­kraft Bür­ger­en­er­gien Hoyaer Land zählt inzwi­schen rund 230 Mit­glie­der. Ihr Ziel ist es, die regio­na­le Ener­gie­ver­sor­gung mit­zu­ge­stal­ten und einen grö­ße­ren Teil der wirt­schaft­li­chen Wert­schöp­fung in der Regi­on zu hal­ten.

Über die Genos­sen­schaft kön­nen sich Men­schen vor Ort an der Ener­gie­wen­de betei­li­gen. Damit geht es um mehr als die Errich­tung eines Solar­parks: Bür­ge­rin­nen und Bür­ger erhal­ten die Mög­lich­keit, gemein­sam Ver­ant­wor­tung für die Ener­gie­ver­sor­gung zu über­neh­men.

Mit Green Pla­net Ener­gy steht ihnen eine erfah­re­ne Part­ne­rin zur Sei­te, die selbst genos­sen­schaft­lich orga­ni­siert ist und mehr als 50.000 Mit­glie­der hat.

 

Auch das Rebhuhn soll profitieren

Eine Beson­der­heit des Pro­jekts ist das umfas­sen­de Natur­schutz­kon­zept. Der Solar­park wur­de von Anfang an als soge­nann­ter Bio­di­ver­si­täts-Solar­park geplant. Die Flä­che wur­de bereits mit regio­na­lem Saat­gut ein­ge­sät. Zwi­schen den Modul­rei­hen sol­len sich arten­rei­che Blüh­wie­sen ent­wi­ckeln, die Insek­ten, Vögeln und Klein­tie­ren Lebens­raum bie­ten.

Beson­de­re Auf­merk­sam­keit erhält das Reb­huhn. Für den sel­ten gewor­de­nen Feld­vo­gel wird eine spe­zi­ell ange­pass­te Blüh­flä­che ange­legt. Hecken und Wild­tier­durch­läs­se sol­len die Lebens­räu­me mit­ein­an­der ver­bin­den. Künf­tig sol­len Scha­fe die Grün­flä­chen pfle­gen. Die öko­lo­gi­schen Maß­nah­men gehen nach Anga­ben der Pro­jekt­part­ner bewusst über die gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen hin­aus. Ob sich die erhoff­te Arten­viel­falt ent­wi­ckelt, wird sich in den kom­men­den Jah­ren zei­gen.

 

Ein Batteriespeicher soll folgen

Auch die Wei­ter­ent­wick­lung des Stand­orts ist bereits vor­ge­se­hen. Die bei­den Genos­sen­schaf­ten pla­nen einen Bat­te­rie­spei­cher, der über­schüs­si­gen Solar­strom auf­neh­men und bei Bedarf wie­der abge­ben soll. Damit könn­te die Anla­ge künf­tig nicht nur Strom erzeu­gen, son­dern auch zur Ent­las­tung des Strom­net­zes bei­tra­gen. Eine kon­kre­te Spei­cher­ka­pa­zi­tät oder ein Fer­tig­stel­lungs­ter­min wur­den bis­lang nicht genannt.

 

Fazit aus der Sicht von PV-Navi

Der Solar­park Deden­dorf zeigt, dass die Ener­gie­wen­de nicht allein von Ent­schei­dun­gen der Bun­des­re­gie­rung abhängt. Sie lebt auch von Men­schen, die sich zusam­men­schlie­ßen, Ver­ant­wor­tung über­neh­men und kon­kre­te Pro­jek­te ver­wirk­li­chen. Beson­ders über­zeu­gend ist hier die Ver­bin­dung aus Bür­ger­be­tei­li­gung, sau­be­rer Strom­erzeu­gung und Natur­schutz. Poli­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen blei­ben wich­tig. Aber Deden­dorf macht deut­lich: Die Ener­gie­wen­de fin­det längst dort statt, wo Men­schen gemein­sam han­deln.

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Quel­len

 

Foto: Mela­nie Ner­lich (Team­lei­te­rin Pho­to­vol­ta­ik Green Pla­net Pro­jects), Juli­an Tien­cken (Geschäfts­füh­rer Green Pla­net Pro­jects), Sön­ke Tan­ger­mann (Vor­stand Green Pla­net Ener­gy), Bür­ger­meis­ter Wil­helm Schrö­der sowie Cars­ten Kamin­ski und Bernd Mey­er von der Land­kraft Bür­ger­en­er­gien Hoyaer Land, v.l.n.r. Copy­right: Green Pla­net Ener­gy

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