Deutschlands größtes Agri-PV-Projekt mit Ackerbau geht vor den Toren Berlins in Betrieb

Datum: 13. Oktober 2026
Traktor bearbeitet den Acker zwischen den hoch aufgeständerten Solarmodulen der Agri-PV-Anlage in Schönefeld bei Berlin.

Land­wirt­schaft oder Solar­ener­gie? In Schö­ne­feld bei Ber­lin lau­tet die Ant­wort: bei­des. Auf rund 76 Hekt­ar ist Deutsch­lands der­zeit größ­tes Agri-Pho­to­vol­ta­ik-Pro­jekt mit Acker­bau in Betrieb gegan­gen. 74.064 Solar­mo­du­le erzeu­gen dort künf­tig Strom für rech­ne­risch etwa 16.500 Haus­hal­te, wäh­rend min­des­tens 90 Pro­zent der Flä­che wei­ter­hin öko­lo­gisch bewirt­schaf­tet wer­den. Hin­zu kom­men Wild­blu­men­strei­fen, Maß­nah­men für die Bio­di­ver­si­tät und wis­sen­schaft­li­che Begleit­for­schung. Das Pro­jekt zeigt damit ein­drucks­voll, wie sich die­sel­be Flä­che gleich­zei­tig für Land­wirt­schaft, Ener­gie­wen­de und Natur­schutz nut­zen lässt.

 

48 Megawatt Solarleistung – und darunter bleibt der Acker

Die Anla­ge befin­det sich im Orts­teil Sel­chow der Gemein­de Schö­ne­feld im Land­kreis Dah­me-Spree­wald. Auf Flä­chen der Ber­li­ner Stadt­gü­ter wur­den inner­halb von elf Mona­ten 74.064 Solar­mo­du­le mit einer Gesamt­leis­tung von rund 48 Mega­watt­peak errich­tet.

Das Beson­de­re ist ihre Kon­struk­ti­on. Die Modu­le sind bis zu 3,50 Meter hoch auf­ge­stän­dert und kön­nen dem Lauf der Son­ne fol­gen. Dadurch sol­len sie nach Anga­ben der Pro­jekt­be­tei­lig­ten 25 bis 30 Pro­zent mehr Strom erzeu­gen als fest auf­ge­stell­te Modu­le und ins­be­son­de­re mor­gens und abends zusätz­li­che Erträ­ge lie­fern.

Zwi­schen den Modul­rei­hen lie­gen elf Meter Abstand. Rund neun Meter davon ste­hen für die land­wirt­schaft­li­che Nut­zung zur Ver­fü­gung. Damit kön­nen auch grö­ße­re land­wirt­schaft­li­che Maschi­nen wie Trak­to­ren und Mäh­dre­scher wei­ter­hin zwi­schen den Solar­mo­du­len arbei­ten.

 

Landwirtschaft, Solarstrom und Artenvielfalt auf derselben Fläche

Bewirt­schaf­tet wird der Acker vom Bran­den­bur­ger Bio­land­wirt Sven Geel­haar und sei­nem Fami­li­en­be­trieb Land­gut Geel­haar. Min­des­tens 90 Pro­zent der Flä­che sol­len wei­ter­hin öko­lo­gisch bewirt­schaf­tet wer­den.

Direkt unter den Modul­ti­schen ent­ste­hen zusätz­lich arten­rei­che Wild­blu­men­strei­fen mit regio­na­lem Saat­gut. Ins­ge­samt sind dafür rund fünf Hekt­ar vor­ge­se­hen. Sie sol­len Insek­ten und Klein­tie­ren Lebens- und Rück­zugs­räu­me bie­ten.

Außer­dem stel­len die Ber­li­ner Stadt­gü­ter außer­halb der eigent­li­chen Anla­ge wei­te­re 17 Hekt­ar als Aus­gleichs­flä­che für Brut­vö­gel bereit, ins­be­son­de­re für die Feld­ler­che.

Auch für den Acker selbst kön­nen die Modu­le inter­es­sant wer­den. Sie bie­ten zeit­wei­se Schutz vor inten­si­ver Son­nen­ein­strah­lung und Stark­re­gen und könn­ten dadurch hel­fen, Boden­tro­cken­heit und Ero­si­on zu redu­zie­ren. Wie sich das Zusam­men­spiel von Land­wirt­schaft und Pho­to­vol­ta­ik lang­fris­tig ent­wi­ckelt, soll wis­sen­schaft­lich beglei­tet wer­den.

 

Solarstrom für rund 16.500 Haushalte

Die 48-Mega­watt-Anla­ge soll jähr­lich so viel erneu­er­ba­ren Strom pro­du­zie­ren, wie rech­ne­risch etwa 16.500 Haus­hal­te benö­ti­gen. Nach Anga­ben der Pro­jekt­be­tei­lig­ten kön­nen dadurch jähr­lich rund 21.500 Ton­nen CO₂ ein­ge­spart wer­den.

Ent­wi­ckelt wur­de das Pro­jekt von Ely­si­um Solar, die Anla­ge wur­de gemein­sam mit Gold­beck Solar rea­li­siert. Die Ber­li­ner Stadt­gü­ter stel­len die Flä­chen zur Ver­fü­gung. Wis­sen­schaft­lich beglei­tet wer­den soll das Pro­jekt unter ande­rem vom Leib­niz-Zen­trum für Agrar­land­schafts­for­schung und der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Dres­den mit Unter­stüt­zung des Bun­des­am­tes für Natur­schutz.

 

Fazit aus der Sicht von PV-Navi

76 Hekt­ar für Land­wirt­schaft oder 76 Hekt­ar für Pho­to­vol­ta­ik? Die­se Fra­ge muss hier gar nicht gestellt wer­den.

Genau dar­in liegt für uns das Span­nen­de an Agri-PV. Wert­vol­le Flä­chen bekom­men nicht nur eine, son­dern meh­re­re Auf­ga­ben: Auf dem Boden wer­den wei­ter­hin Lebens­mit­tel erzeugt, dar­über ent­steht Solar­strom und dazwi­schen wer­den zusätz­li­che Lebens­räu­me für Pflan­zen und Tie­re geschaf­fen.

Beson­ders inter­es­sant wird sein, was die wis­sen­schaft­li­che Beglei­tung in den kom­men­den Jah­ren zeigt. Wenn Pho­to­vol­ta­ik zusätz­lich dazu bei­tra­gen kann, land­wirt­schaft­li­che Flä­chen bes­ser vor extre­mer Hit­ze, Tro­cken­heit oder Stark­re­gen zu schüt­zen, könn­te aus der ver­meint­li­chen Flä­chen­kon­kur­renz zuneh­mend eine Part­ner­schaft wer­den.

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Quel­len:

Ber­li­ner Stadt­gü­ter GmbH: „Agri-PV-Anla­ge in Schö­ne­feld fei­er­lich in Betrieb genom­men“
Pres­se­mit­tei­lung der Ber­li­ner Stadt­gü­ter

Ber­li­ner Stadt­gü­ter GmbH: Pro­jekt­sei­te „Agri-Pho­to­vol­ta­ik-Anla­ge in Sel­chow“
Pro­jekt­in­for­ma­tio­nen der Ber­li­ner Stadt­gü­ter

Ely­si­um Solar: „Agri-PV in Schö­ne­feld“
Pro­jekt­sei­te von Ely­si­um Solar

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