Deutschland hat erstmals einen eigenen Fahrplan für die schrittweise Abkehr von Kohle, Öl und Gas vorgelegt. Bundesumweltminister Carsten Schneider präsentierte die sogenannte Roadmap bei der UN-Generalversammlung in New York. Deutschland gehört damit nach Angaben des Bundesumweltministeriums neben Frankreich und den Niederlanden zu den ersten Ländern mit einem solchen Plan. Die Richtung ist beschrieben: Mehr erneuerbare Energien, mehr Elektrifizierung und langfristig deutlich weniger Abhängigkeit von fossilen Energieimporten. Bis spätestens 2045 soll die energetische Nutzung fossiler Energieträger im Zuge der angestrebten Klimaneutralität weitgehend beendet werden.
Noch immer stammen 65 Prozent der Energie aus fossilen Quellen
Wie groß die Aufgabe ist, zeigen die Zahlen für 2024. Damals entfielen noch 65 Prozent des deutschen Energieverbrauchs auf fossile Brennstoffe: 36 Prozent auf Mineralöl, 24 Prozent auf Erdgas und fünf Prozent auf Kohle.
Gleichzeitig ist Deutschland bei diesen Energieträgern stark von Importen abhängig. 98 Prozent des Mineralöls und 95 Prozent des Erdgases wurden importiert, ebenso die gesamte benötigte Steinkohle. Die Kosten dieser Importe beliefen sich 2024 nach Angaben des Bundesumweltministeriums auf 76 Milliarden Euro.
Der neue Fahrplan setzt deshalb nicht allein auf einen weiteren Ausbau von Wind- und Solarenergie. Gleichzeitig sollen Mobilität, Wärmeversorgung und industrielle Prozesse zunehmend elektrifiziert werden. Elektroautos und Wärmepumpen spielen dabei ebenso eine Rolle wie der Ausbau der Stromnetze und eine stärkere Nutzung von Wasserstoff in Bereichen, in denen eine direkte Elektrifizierung schwieriger ist.
Erneuerbare sollen bis 2030 mindestens 80 Prozent erreichen
Im Stromsektor ist der Umbau bereits deutlich vorangeschritten. Erneuerbare Energien decken inzwischen rund 55 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs. Bis 2030 soll ihr Anteil auf mindestens 80 Prozent steigen. Parallel dazu ist der Kohleausstieg spätestens für 2038 vorgesehen.
Auch Verkehr und Wärmeversorgung sind Teil des Fahrplans. Elektroautos sollen zunehmend Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ersetzen, während Wärmepumpen und Fernwärme den Verbrauch von Öl und Erdgas beim Heizen reduzieren sollen. Für die Industrie gehören Elektrifizierung und weitere Technologien zur Dekarbonisierung zu den zentralen Bausteinen.
Damit wird deutlich: Der Ausbau von Photovoltaik und Windenergie ist nur ein Teil der Aufgabe. Damit erneuerbarer Strom fossile Energieträger tatsächlich ersetzen kann, müssen immer mehr Anwendungen auf Strom umgestellt werden.
Ein deutscher Fahrplan mit internationalem Hintergrund
Der Vorstoß steht im Zusammenhang mit der internationalen Klimapolitik. Bei der Weltklimakonferenz COP28 in Dubai hatten sich die Staaten 2023 auf einen Übergang weg von fossilen Energien in den Energiesystemen verständigt. Mit der jetzt vorgestellten Roadmap beschreibt die Bundesregierung, wie Deutschland diesen Übergang in verschiedenen Bereichen umsetzen will.
Dabei handelt es sich allerdings nicht um einen bis ins Detail festgelegten Maßnahmenplan. Viele konkrete Schritte und deren Ausgestaltung bleiben Gegenstand politischer und gesetzgeberischer Entscheidungen.
Fazit aus der Sicht von PV-Navi
Interessant an diesem Fahrplan ist vor allem das Zusammenspiel der verschiedenen Bereiche. Mehr Photovoltaik und Windenergie allein reichen nicht aus, wenn Verkehr, Wärme und Industrie weiterhin überwiegend von Öl und Gas abhängig bleiben. Je mehr dieser Bereiche elektrifiziert werden, desto stärker können erneuerbare Energien fossile Energieträger tatsächlich ersetzen.
Für Photovoltaik bedeutet das gleichzeitig eine wachsende Aufgabe: Solarstrom wird künftig nicht nur für Licht, Haushaltsgeräte und klassische Stromverbraucher benötigt. Er kann zunehmend auch Autos antreiben, Gebäude beheizen, Batteriespeicher füllen und industrielle Prozesse versorgen.
Und noch ein Aspekt ist wichtig: Weniger Öl, Gas und Kohle zu verbrauchen bedeutet gleichzeitig, weniger Energie aus dem Ausland einkaufen zu müssen. Der weitere Ausbau erneuerbarer Energien ist damit nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern auch eine Möglichkeit, einen größeren Teil unserer Energie selbst zu erzeugen.
___________________
Quelle für Bild und Text: Presseerklärung
Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Pressemitteilung vom 23. September 2026:
Deutschland legt Fahrplan für schrittweise Abkehr von fossilen Energien vor
Bundesumweltministerium, Originaldokument:
Deutschlands Roadmap für die schrittweise Abkehr von fossilen Energien
Foto: PV-Navi/ChatGPT (KI-generiert)
___________________
Anmerkung:
Als Informationsdrehscheibe zu allen Bereichen rund um die Themen Photovoltaik und Energiewende hat PV-Navi Informationen aus vielen tausend Quellen zusammengetragen und übersichtlich aufbereitet.
Neben den täglichen NEWS finden Sie auf dieser Domain auch viele Informationen zu gewerblichen Anbietern, Veranstaltungen, Förderungen, besonderen Akteuren, Infoquellen, das PV-Navi-ABC und vieles mehr.