Photovoltaik auf großen Industriehallen kann gleich mehrere Vorteile bieten: Unternehmen erzeugen Strom dort, wo sie ihn benötigen, senken ihre Energiekosten und machen sich unabhängiger von schwankenden Strompreisen. Doch nicht jeder Betrieb möchte dafür selbst Millionen investieren oder eigene Solaranlagen betreiben. Dass es auch anders geht, zeigt jetzt Aalberts Surface Technologies. Das Unternehmen will seine deutschen Produktionsstandorte schrittweise mit Solarstrom von den eigenen Werksdächern versorgen – ohne die Anlagen selbst zu finanzieren. Möglich macht das eine Partnerschaft mit dem Solarunternehmen GIGA.GREEN, das Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb übernimmt.
Ein Geschäftsmodell mit Vorteilen für beide Seiten
Die Vereinbarung zwischen Aalberts Surface Technologies und GIGA.GREEN wurde Anfang Oktober 2026 bekannt gegeben. Das Prinzip ist einfach: GIGA.GREEN errichtet Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Produktionsstandorte und verkauft den erzeugten Strom direkt an Aalberts. Das Industrieunternehmen zahlt dafür einen langfristig vereinbarten Preis je gelieferter Kilowattstunde.
Dieses Modell wird als Onsite Power Purchase Agreement, kurz Onsite-PPA, bezeichnet. Die Solaranlage befindet sich auf dem Gelände des Stromverbrauchers, gehört aber einem externen Betreiber. Aalberts muss deshalb weder die Anschaffung finanzieren noch die technische Betriebsführung übernehmen.
Solarstrom dort nutzen, wo er entsteht
Besonders interessant ist die Lösung für die energieintensive Oberflächen- und Wärmebehandlung. In diesen Industriebereichen laufen zahlreiche Anlagen im Mehrschichtbetrieb oder sogar rund um die Uhr. Entsprechend hoch ist der Strombedarf und entsprechend wichtig sind kalkulierbare Energiekosten.
Der Solarstrom wird unmittelbar im jeweiligen Werk verbraucht. Für diesen direkt genutzten Strom entfällt der Transport über das öffentliche Netz. Nach Angaben der Projektpartner soll er deshalb günstiger sein als Strom aus dem regulären Netzbezug. Für den verbleibenden Strombedarf bleibt allerdings weiterhin eine ergänzende Versorgung erforderlich.
Viele Standorte, ein gemeinsames Konzept
Eine Besonderheit der Zusammenarbeit ist der standortübergreifende Ansatz. Aalberts Surface Technologies will seine deutschen Produktionsstandorte nicht einzeln mit unterschiedlichen Verträgen ausstatten, sondern die Photovoltaikversorgung über ein gemeinsames Modell organisieren. Planung, technische Prüfung und Bauabwicklung werden dadurch gebündelt.
Trotzdem muss jede Anlage individuell geplant werden. Dachflächen, Gebäudestrukturen und Stromverbrauch unterscheiden sich von Werk zu Werk. Die Partnerschaft soll deshalb schrittweise auf weitere Standorte ausgeweitet werden. Konkrete Gesamtleistungen, Investitionssummen oder Fertigstellungstermine wurden bislang nicht veröffentlicht.
Ein Modell auch für andere Unternehmen
Viele Unternehmen verfügen über große, bislang ungenutzte Dachflächen, scheuen jedoch die erforderlichen Investitionen oder möchten ihr Kapital lieber für ihre eigentliche Geschäftstätigkeit einsetzen. Ein langfristiger Solarstromliefervertrag kann hier eine Alternative sein. Die Finanzierung übernimmt der Anlagenbetreiber, während der Industriebetrieb den erzeugten Strom abnimmt.
Damit kann Photovoltaik auch für Unternehmen interessant werden, die keine eigenen Energieprojekte entwickeln möchten. Entscheidend sind allerdings geeignete Dächer, ein ausreichend hoher Stromverbrauch und wirtschaftlich tragfähige Vertragsbedingungen.
Fazit aus der Sicht von PV-Navi
Die Partnerschaft zwischen Aalberts und GIGA.GREEN zeigt, dass die Energiewende in der Industrie nicht zwangsläufig hohe eigene Anfangsinvestitionen voraussetzt. Gerade auf großen Gewerbe- und Industriedächern schlummert noch erhebliches Potenzial für die Solarstromerzeugung. Wenn spezialisierte Unternehmen Finanzierung und Betrieb übernehmen, können weitere Betriebe dieses Potenzial erschließen. Besonders erfreulich ist der Ansatz, nicht nur ein einzelnes Dach zu betrachten, sondern gleich ein ganzes Standortnetzwerk. Die tatsächlichen Ergebnisse werden sich mit der schrittweisen Umsetzung zeigen.
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Quellen
Foto: v.l.n.r. Oliver Jäger (Executive Director Aalberts N.V.) mit Wolfgang Röbig (Mitgründer und Geschäftsführer GIGA.GREEN GmbH) und Robin Nowak (Vice President Commercial GIGA.GREEN GmbH) besiegeln die Partnerschaft am Hauptsitz von Aalberts Surface Technologies in Kerpen.
Foto: Sascha Schürmann / GIGA.GREEN GmbH
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Anmerkung:
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