Hoch oben in den Schweizer Alpen soll künftig Solarstrom erzeugt werden – gerade dann, wenn er besonders gebraucht wird: Im Winter. Auf der Totalp oberhalb von Davos hat das Großprojekt ParsennSolar jetzt die letzte behördliche Hürde genommen. Die geplante Photovoltaikanlage könnte jährlich rund zwölf Millionen Kilowattstunden Strom liefern und damit rechnerisch mehr als 2.200 Haushalte versorgen. Besonders interessant ist der Standort: In großer Höhe profitieren Solarmodule von intensiver Sonneneinstrahlung, geringerer Nebelhäufigkeit und der Reflexion des Sonnenlichts durch Schnee. Noch steht die Anlage allerdings nicht. Nach der vollständigen Genehmigung geht es nun darum, die wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Bau zu schaffen.
Die letzte Genehmigung ist erteilt
Am 22. September 2026 erteilte das Eidgenössische Starkstrominspektorat (ESTI) die erforderliche Plangenehmigung für den Netzanschluss. Bereits im August 2025 hatte die Regierung des Kantons Graubünden die Baubewilligung ausgesprochen.
Damit verfügt ParsennSolar über sämtliche notwendigen behördlichen Genehmigungen. Das Projekt gehört zu den wenigen alpinen Photovoltaik-Großanlagen der Schweiz, die diesen Stand erreicht haben. Vorgesehen ist die Anlage im Gebiet Meierhof Tälli am südlichen Fuß des Totalphorns. Der Standort liegt innerhalb des bereits erschlossenen Wintersportgebiets Parsenn oberhalb von Davos.
Rund zwölf Millionen Kilowattstunden Solarstrom
Die Planungen sehen eine Projektfläche von knapp 14 Hektar mit insgesamt 1.493 Modultischen vor. Die erwartete jährliche Stromerzeugung liegt bei rund 12,1 Gigawattstunden. Zum Einsatz sollen auch bifaziale Solarmodule kommen. Diese können nicht nur direktes Sonnenlicht, sondern auch reflektierte Strahlung zur Stromerzeugung nutzen.
Gerade in den Alpen ist das interessant: Schnee reflektiert einen Teil des einfallenden Sonnenlichts und kann damit den Stromertrag erhöhen.
Warum Solarstrom aus den Alpen besonders wertvoll ist
Die Schweiz benötigt gerade im Winter viel Strom. Gleichzeitig produzieren gewöhnliche Photovoltaikanlagen im Schweizer Mittelland während dieser Jahreszeit vergleichsweise wenig Energie. Alpine Standorte können hier Vorteile bieten. Nach Angaben des Bundesamts für Energie ermöglichen günstige Höhenlagen im Winterhalbjahr einen zwei- bis dreimal höheren spezifischen Solarertrag als vergleichbare Anlagen im Mittelland.
Das bedeutet allerdings nicht, dass alpine Photovoltaik überall sinnvoll ist. Schneelasten, Wind, schwierige Bauarbeiten und mögliche Eingriffe in Natur und Landschaft müssen sorgfältig berücksichtigt werden. Bei ParsennSolar spricht für den gewählten Standort, dass bereits Wege und touristische Infrastruktur vorhanden sind.
Jetzt werden Investoren und Stromabnehmer gesucht
Hinter dem Projekt stehen das Elektrizitätswerk Davos, die Industriellen Werke Basel, Energie Wasser Bern und Energie Thun. Die Partner suchen nun weitere Investoren sowie Unternehmen, die den künftig erzeugten Strom langfristig abnehmen möchten.
Erst nach Abschluss dieser Gespräche soll über den tatsächlichen Bau entschieden werden. Eine Inbetriebnahme ist deshalb noch nicht gesichert.
Fazit aus der Sicht von PV-Navi
Mit der vollständigen Genehmigung hat ParsennSolar einen wichtigen Schritt geschafft. Das Projekt zeigt, welches Potenzial die Photovoltaik auch in hochalpinen Regionen besitzt – insbesondere für die Stromversorgung im Winter. Entscheidend wird nun sein, ob die wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Bau geschaffen werden können. Die Energiewende braucht schließlich nicht nur gute Ideen und Genehmigungen, sondern auch Projekte, die tatsächlich umgesetzt werden.
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Quellen
Bildquelle: © Caprez Ingenieure AG – Symbolbild aus der Medienmitteilung des Kantons Graubünden
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Anmerkung:
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