Speditionen teilen ihre Ladesäulen: Neues Ladenetz soll E‑Lkw weiter auf die Straße bringen

Datum: 15. Oktober 2026
Großer Logistikstandort mit Photovoltaik auf den Hallendächern und einem Solarpark hinter dem Betriebsgelände.

War­um neue Lade­punk­te bau­en und gleich­zei­tig vor­han­de­ne unge­nutzt las­sen? Genau an die­sem Punkt setzt eine neue Initia­ti­ve des Spe­di­ti­ons­ver­bunds ELVIS an. Part­ner­un­ter­neh­men sol­len ihre Lade­infra­struk­tur künf­tig gegen­sei­tig nut­zen kön­nen. Ein E‑Lkw könn­te damit unter­wegs bei einer ande­ren Spe­di­ti­on laden, anstatt für jeden Lade­vor­gang zum eige­nen Betriebs­hof zurück­keh­ren zu müs­sen. Die soge­nann­te ELVIS Char­ging Com­mu­ni­ty soll noch im Herbst 2026 in den Pilot­be­trieb gehen und zugleich Teil des bun­des­wei­ten Lade­net­zes BGL Char­ge wer­den. Damit könn­te aus vie­len ein­zel­nen Betriebs­hö­fen Schritt für Schritt ein gemein­sa­mes Lade­netz für den elek­tri­schen Schwer­last­ver­kehr ent­ste­hen.

 

Partner laden bei Partnern

ELVIS ver­eint mehr als 250 Spe­di­tio­nen und Fracht­füh­rer. Rund 30 Pro­zent der Part­ner set­zen nach Anga­ben des Ver­bunds bereits schwe­re Elek­tro-Lkw ein. Bis­lang wer­den die­se Fahr­zeu­ge häu­fig auf Stre­cken ein­ge­setzt, bei denen sie regel­mä­ßig zum eige­nen Depot zurück­keh­ren kön­nen.

Die Char­ging Com­mu­ni­ty soll die­sen Radi­us erwei­tern. Spe­di­tio­nen mit eige­ner Lade­infra­struk­tur kön­nen ihre Lade­punk­te ande­ren Unter­neh­men zugäng­lich machen und gleich­zei­tig selbst Lade­an­ge­bo­te ande­rer Part­ner nut­zen. Betrei­ber kön­nen dadurch ihre vor­han­de­ne Infra­struk­tur bes­ser aus­las­ten, wäh­rend E‑Lkw zusätz­li­che Lade­mög­lich­kei­ten ent­lang ihrer Rou­ten bekom­men.

In einer ers­ten Umfra­ge unter Ver­bund­part­nern wur­den bereits 42 poten­zi­el­le Lade­stand­or­te gemel­det. Mehr als die Hälf­te der teil­neh­men­den Unter­neh­men gab an, ihre Fahr­zeu­ge künf­tig deutsch­land­weit und nicht nur auf dem eige­nen Betriebs­ge­län­de laden zu wol­len.

 

Aus vielen Betriebshöfen wird ein Ladenetz

Tech­ni­sche Grund­la­ge ist die Platt­form von Depot­char­ge. Dort kön­nen Fah­rer und Dis­po­nen­ten sehen, wel­che Lade­punk­te ver­füg­bar sind, wel­che Lade­leis­tung sie bie­ten, wel­che Kos­ten ent­ste­hen und wie die aktu­el­le Aus­las­tung aus­sieht. Die Abrech­nung erfolgt zen­tral, bei ELVIS-Part­ner­sta­tio­nen ist für die Authen­ti­fi­zie­rung ein ein­heit­li­cher RFID-Schlüs­sel­an­hän­ger vor­ge­se­hen.

Noch grö­ßer wird die Idee durch BGL Char­ge. Der Bun­des­ver­band Güter­kraft­ver­kehr Logis­tik und Ent­sor­gung, des­sen Lan­des­ver­bän­de rund 7.000 Unter­neh­men orga­ni­sie­ren, baut gemein­sam mit Depot­char­ge ein bun­des­wei­tes Depot-Lade­netz auf. ELVIS bringt sei­ne Char­ging Com­mu­ni­ty in die­se grö­ße­re Struk­tur ein.

 

Photovoltaik und Batteriespeicher gehören mit ins Konzept

Für PV-Navi ist beson­ders inter­es­sant, was auf den Betriebs­hö­fen pas­siert. Beim Auf­bau der Lade­infra­struk­tur müs­sen Spe­di­tio­nen nicht nur Lade­säu­len betrach­ten, son­dern auch Netz­an­schluss, Last­pro­fi­le, Strom­be­schaf­fung sowie teil­wei­se Pho­to­vol­ta­ik und Bat­te­rie­spei­cher berück­sich­ti­gen.

Wie gut die­se Ver­bin­dung bereits zur Pra­xis passt, zeigt eine Unter­su­chung des Öko-Insti­tuts vom Mai 2026: Bei den befrag­ten Unter­neh­men wur­den durch­schnitt­lich 82,5 Pro­zent der Ener­gie für Bat­te­rie-Lkw im eige­nen Depot gela­den. Rund zwei Drit­tel der Unter­neh­men erzeug­ten zumin­dest einen Teil des dafür benö­tig­ten Stroms am Stand­ort selbst, bei­spiels­wei­se mit Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen.

 

Damit kön­nen Logis­tik­stand­or­te zuneh­mend zu klei­nen Ener­gie­zen­tra­len wer­den: Solar­strom vom Hal­len­dach, Bat­te­rie­spei­cher auf dem Betriebs­ge­län­de und leis­tungs­fä­hi­ge Lade­punk­te für die eige­ne und künf­tig mög­li­cher­wei­se auch für frem­de Lkw-Flot­ten.

 

Fazit aus der Sicht von PV-Navi

Die Idee ist ver­blüf­fend ein­fach: Nicht jede Spe­di­ti­on muss für jede Stre­cke eine kom­plett eige­ne Lade­infra­struk­tur vor­hal­ten. Wenn Unter­neh­men ihre vor­han­de­nen Lade­punk­te mit­ein­an­der tei­len, ent­steht aus vie­len ein­zel­nen Lösun­gen ein immer dich­te­res Netz.

Beson­ders span­nend fin­den wir die Ver­bin­dung mit Pho­to­vol­ta­ik und Bat­te­rie­spei­chern. Gro­ße Hal­len­dä­cher, hoher Strom­be­darf und Fahr­zeu­ge, die regel­mä­ßig zum Depot zurück­keh­ren, pas­sen her­vor­ra­gend zusam­men. Wenn künf­tig zusätz­lich die Lade­punk­te benach­bar­ter oder ent­lang der Stre­cke gele­ge­ner Spe­di­tio­nen genutzt wer­den kön­nen, wird aus dem ein­zel­nen elek­tri­schen Lkw ein gemein­sa­mes Sys­tem.

Der Pilot­be­trieb muss nun zei­gen, wie gut das in der Pra­xis funk­tio­niert. Aber genau sol­che Koope­ra­tio­nen kön­nen hel­fen, Elek­tro­mo­bi­li­tät im Schwer­last­ver­kehr ein­fa­cher und wirt­schaft­li­cher zu machen.

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Quel­len:

ELVIS AG: „ELVIS baut Char­ging Com­mu­ni­ty für E‑Lkw mit Depot­char­ge auf“
Pres­se­mit­tei­lung der ELVIS AG bei Pres­se­Box

Bun­des­ver­band Güter­kraft­ver­kehr Logis­tik und Ent­sor­gung (BGL): „Depot-Laden für E‑Lkw: BGL e.V. und Depot­char­ge star­ten BGL Char­ge“
Pres­se­mit­tei­lung des BGL

Öko-Insti­tut: „Ergeb­nis­se einer Online-Befra­gung von Trans­port­un­ter­neh­men im Pro­jekt ELV-LIVE“
Stu­die des Öko-Insti­tuts

 

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