Heute gehören Solarmodule auf Dächern, Fassaden und Freiflächen ganz selbstverständlich zum Landschaftsbild. Vor rund 50 Jahren sah das völlig anders aus. Wer damals behauptete, dass die Sonne einmal einen bedeutenden Teil unserer Energieversorgung übernehmen könnte, wurde nicht selten belächelt. Eine aktuelle SPIEGEL-TV-Reportage blickt zurück auf die Anfänge der Solarenergie am Oberrhein und auf zwei Männer, die früh an diese Idee glaubten: den Solararchitekten Rolf Disch und den Umweltaktivisten Axel Mayer. Ihre Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie aus einer vermeintlichen Utopie eine weltweit erfolgreiche Technologie wurde.
Vom Protest gegen Atomkraft zur eigenen Alternative
Ein wichtiger Ausgangspunkt war Mitte der 1970er-Jahre der Widerstand gegen das geplante Atomkraftwerk Wyhl am Oberrhein. Winzer, Landwirte, Studierende und Umweltschützer protestierten gemeinsam gegen das Projekt. Doch einigen Beteiligten reichte das Nein zur Atomkraft nicht. Sie wollten zeigen, wie eine andere Energieversorgung aussehen könnte.
1976 entstanden daraus die Sasbacher Sonnentage, eine der frühen Veranstaltungen rund um Solarenergie. Tausende Besucher kamen, um Solaranlagen, erste Solarfahrzeuge und andere damals ausgesprochen ungewöhnliche Technologien zu sehen.
Auch Rolf Disch gehörte zu den frühen Solarenthusiasten. Später entwickelte er unter anderem das drehbare Solarhaus „Heliotrop“ und die Solarsiedlung im Freiburger Stadtteil Vauban. Sein Grundgedanke war seiner Zeit weit voraus: Gebäude sollten nicht nur Energie verbrauchen, sondern selbst mehr Energie erzeugen, als ihre Bewohner benötigen.
Aus der verrückten Idee wurde eine globale Erfolgsgeschichte
Was damals nach Zukunftsmusik klang, ist heute Alltag. Photovoltaik trägt inzwischen einen erheblichen Teil zur deutschen Stromerzeugung bei. Weltweit entwickelt sich Solarenergie zu einer tragenden Säule der Stromversorgung.
Doch die Geschichte verlief keineswegs geradlinig. Deutschland gehörte bei Forschung, Produktion und Anwendung der Photovoltaik lange zu den internationalen Vorreitern. Später brach ein großer Teil der heimischen Solarindustrie weg. Heute stammt der überwiegende Teil der in Deutschland installierten Solarmodule aus Asien.
Genau deshalb sind Disch und Mayer trotz des enormen Erfolgs der Photovoltaik noch nicht zufrieden. Für sie ist das bisher Erreichte eher eine Zwischenstation. Denn Strom ist nur ein Teil unseres gesamten Energieverbrauchs. Auch Wärme, Verkehr und Industrie müssen zunehmend mit erneuerbaren Energien versorgt werden.
Fazit aus der Sicht von PV-Navi
Diese Geschichte gefällt uns besonders, weil sie etwas zeigt, das bei der Energiewende manchmal vergessen wird: Viele Dinge, die heute selbstverständlich erscheinen, wurden anfangs für unrealistisch gehalten.
Menschen haben experimentiert, demonstriert, gebaut und weitergemacht, obwohl andere über ihre Ideen lachten. Aus kleinen Solaranlagen, ungewöhnlichen Solarhäusern und ersten Solarfahrzeugen entwickelte sich eine Technologie, die heute weltweit in gigantischem Maßstab eingesetzt wird.
Und vielleicht steckt darin auch eine Botschaft für die nächsten Schritte der Energiewende. Manche Ideen, über die wir heute noch diskutieren oder sogar schmunzeln, könnten uns in 20 oder 30 Jahren genauso selbstverständlich erscheinen wie ein Solarmodul auf dem Hausdach.
Die Energiewende braucht deshalb nicht nur Technik. Sie braucht Menschen, die früh genug an etwas glauben, das andere noch für Spinnerei halten.
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Quelle: DER SPIEGEL / SPIEGEL TV, Reportage „Die Solarpioniere vom Oberrhein: Wie Sonnenenergie zur Erfolgsgeschichte wurde“.
SPIEGEL – Die Solarpioniere vom Oberrhein
Bilder: Wikimedia Joergens.mi /Commons, CC BY-SA 3.0 und Rolf Disch
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