Der weitere Ausbau der Photovoltaik wird immer wieder mit der Sorge verbunden, dass Deutschland irgendwann mit Solarmodulen zugebaut sein könnte. Doch ein Blick in die aktuelle Faktensammlung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE zeigt ein anderes Bild: Für Solarstrom stehen sehr viel mehr geeignete Flächen zur Verfügung, als für die Energiewende tatsächlich benötigt werden. Entscheidend ist deshalb weniger die Frage, ob genügend Platz vorhanden ist, sondern wie intelligent wir ihn nutzen.
Auf den Gebäuden schlummert enormes Potenzial
In Deutschland gibt es rund 40 Millionen Gebäude. Dächer und Fassaden bieten nach Berechnungen, auf die sich Fraunhofer ISE bezieht, ein technisches Photovoltaik-Potenzial von rund 1.000 Gigawattpeak.
Davon wird bislang nur ein kleiner Teil ausgeschöpft. Weniger als zehn Prozent des Dachpotenzials und weniger als ein Promille des Fassadenpotenzials werden genutzt. Gerade an Gebäuden besteht damit noch ein enormes Ausbaupotenzial, ohne dafür zusätzliche Freiflächen in Anspruch nehmen zu müssen.
Selbst Parkplätze können zu Kraftwerken werden
Auch bereits versiegelte Flächen bieten Möglichkeiten. Deutschland verfügt über mehr als 300.000 größere Parkplätze. Würden geeignete Flächen davon mit Photovoltaik überdacht, ergibt sich laut Fraunhofer ein technisches Potenzial von rund 59 Gigawattpeak.
Nebenbei könnten die Module Fahrzeuge vor Sonne und Niederschlag schützen. Weitere Möglichkeiten bieten unter anderem Lärmschutzwände und Flächen entlang von Verkehrswegen.
Landwirtschaft und Solarstrom müssen keine Gegner sein
Besonders groß ist das Potenzial der Agri-Photovoltaik. Deutschland verfügt über knapp 17 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche. Bei Agri-PV bleibt die landwirtschaftliche Nutzung erhalten, während auf derselben Fläche zusätzlich Solarstrom erzeugt wird.
Fraunhofer beziffert allein das technische Potenzial hoch aufgeständerter Agri-PV unter bestimmten Annahmen auf rund 1,7 Terawattpeak. Weitere rund 1,2 Terawattpeak könnten durch andere Agri-PV-Konzepte auf Dauergrünland hinzukommen. Diese Zahlen beschreiben technische Potenziale und keineswegs Flächen, die tatsächlich vollständig bebaut werden sollen. Sie zeigen aber die Größenordnung der vorhandenen Möglichkeiten.
Solarstrom nutzt Flächen erstaunlich effizient
Interessant wird der Vergleich mit dem Anbau von Energiepflanzen. Auf rund 13 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Deutschlands wachsen derzeit Pflanzen zur Energiegewinnung.
Fraunhofer vergleicht beispielsweise die Stromausbeute von Silomais mit Agri-PV. Danach kann Agri-PV auf derselben Fläche ungefähr 32-mal so viel elektrische Energie bereitstellen wie die Stromerzeugung über Silomais – während die Fläche bei Agri-PV weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden kann.
Auch Solarparks können Natur Raum geben
Freiflächenanlagen müssen zudem nicht zwangsläufig ökologisch wertvolle Flächen zerstören. Wird intensiv bewirtschaftetes Ackerland in extensiv gepflegtes Grünland unter und zwischen Solarmodulen umgewandelt, kann die Artenvielfalt sogar profitieren.
Größere Reihenabstände, Wildpflanzen statt Grasmonokulturen und eine schonende Grünpflege können aus einem Solarpark zusätzlich einen Lebensraum für Pflanzen und Tiere machen. Fraunhofer spricht in diesem Zusammenhang von Biodiversitäts-PV.
Fazit von PV-Navi
Die Diskussion über den Flächenbedarf der Photovoltaik wird häufig geführt, als müssten wir uns zwischen Solarstrom, Landwirtschaft, Natur und unseren Städten entscheiden. Die Zahlen des Fraunhofer ISE zeigen, dass diese Gegensätze so nicht bestehen müssen. Dächer, Fassaden, Parkplätze, Verkehrsflächen, Agri-PV und sinnvoll geplante Solarparks bieten enorme Möglichkeiten. Wir haben nicht zu wenig Platz für die Energiewende. Wir müssen den vorhandenen Platz nur intelligenter nutzen.
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Quelle: Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE,
Dr. Harry Wirth: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland
Foto: PV-Navi/ChatGPT (KI-generiert)
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Anmerkung:
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